Was ist faserverstärkter Asphalt und wie funktioniert er?

Faserbewehrter Asphalt16. Juli 20263 Min. Lesezeit

Faserverstärkter Asphalt enthält starke Fasern, die Risse, Ausbröckelung und Spurrinnen verzögern — eine recycelbare Alternative zu PMB und Matten.

Faserverstärkter Asphalt ist Asphalt, dem während der Produktion kleine, starke Fasern zugesetzt werden — meist Aramid oder PAN —, um Rissbildung, Ausbröckelung und Spurrinnenbildung zu verzögern. Er ist eine Alternative zu polymermodifiziertem Bitumen (PMB) und Bewehrungsmatten, mit vergleichbaren oder besseren Praxisleistungen bei in der Regel geringerer Umweltbelastung. Dieser Artikel ist der Auftakt unserer Reihe über faserverstärkten Asphalt.

Warum braucht Asphalt Verstärkung?

Asphalt besteht aus einer Mischung von Splitt, Sand, Füllstoff und Bitumen als Bindemittel. Unter dem Einfluss von Verkehrsbelastung, Temperaturschwankungen und Alterung des Bindemittels entstehen mit der Zeit Risse, Ausbröckelung (das Loslösen von Steinchen) und Spurrinnenbildung (Eindrückung durch Reifenbelastung). Besonders offene Mischungen wie offenporiger Asphalt (ZOAB) — mit einem hohen Anteil an Hohlraum für Lärmreduktion und Wasserabfuhr — sind hierfür anfällig, da das Steinskelett weniger gegenseitigen Kontakt hat als bei dichten Mischungen.

Wie funktioniert Faserverstärkung in Asphalt?

Fasern werden während des Mischvorgangs trocken zugesetzt: Zuerst werden die Fasern mit dem Gestein gemischt, danach folgt das Bitumen. Einmal gut in der Mischung verteilt, wirken die Fasern auf Mikroebene als dreidimensionale Verstärkung:

• Rissüberbrückung: Wo ein Mikroriss entsteht, überspannt die Faser die Rissfläche und verzögert das weitere Wachstum.

• Kraftverteilung: Belastung durch vorbeifahrenden Verkehr wird besser über die Mischung verteilt, statt sich auf einen schwachen Punkt zu konzentrieren.

• Stabilisierung des Mörtels: Im offenporigen Asphalt hält die Faser die Mörtelbrücke zwischen den Steinen des Steinskeletts fester zusammen, was Ausbröckelung entgegenwirkt.

Welche Fasertypen werden verwendet?

Die zwei wichtigsten Fasertypen in Asphalt sind:

• Aramidfaser: eine sehr starke, hitzebeständige Faser, in der Regel dosiert bei rund 0,05 % der Mischung.

• PAN-Faser (Polyacrylnitril): ebenfalls vielgenutzt, in der Regel dosiert bei rund 0,15 % der Mischung, häufig in Kombination mit einem kleinen Anteil Zellulosefaser gegen Bindemitteldrainage.

Beide Fasertypen werden in den folgenden Artikeln dieser Reihe separat vertieft.

Warum Fasern statt PMB?

Traditionell wird Asphalt mit polymermodifiziertem Bitumen (PMB) oder mit Bewehrungsmatten verstärkt. PMB ist jedoch schwerer zu recyceln und erfordert eine höhere Produktionstemperatur; Bewehrungsmatten erfordern einen separaten, zeitaufwendigen Arbeitsgang. Faserverstärkung kombiniert das Beste aus beiden Welten: Ein Standard-Straßenbaubitumen genügt (mit entsprechend niedrigerer Produktionstemperatur), und es ist keine separate Bewehrungsschicht nötig.

Praxisergebnisse

Praxisuntersuchungen auf der A73 bei Roermond, durchgeführt im Rahmen des europäischen FIBRA-Projekts, zeigten, dass faserverstärkter Asphalt hinsichtlich Griffigkeit, Wasserabfuhr, Lärmreduktion und optischem Zustand nach Verkehrsbelastung vergleichbar mit PMB-Mischungen abschneidet — bei einer 15 bis 20 °C niedrigeren Produktionstemperatur und einer geringeren Umweltbelastung.

Wo wird er eingesetzt?

Faserverstärkter Asphalt wird unter anderem eingesetzt bei Asphalt auf Autobahnen und Landesstraßen, auf N-Straßen, bei stark belasteten Baustraßen, Kreisverkehren und auf Gewerbegeländen im Distributions- und Transportsektor.

Fazit

Faserverstärkter Asphalt ist eine bewährte Technologie, um die Lebensdauer von Asphalt zu verlängern, mit nachweisbaren Vorteilen bei Produktionstemperatur, Recyclingfähigkeit und Umweltbelastung. In den folgenden Artikeln dieser Reihe gehen wir näher auf die spezifischen Fasertypen, Anwendungen und Praxisdaten ein.

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