Was ist eine Aramidfaser? Eigenschaften, Typen und Einsatz in Asphalt

Faserbewehrter Asphalt16. Juli 20269 Min. LesezeitPortretfoto van Niels HilverinkVerfasst von Niels Hilverink
Gelbe Aramidfasern (Twaron) für den Einsatz als Bewehrung in Asphalt

Aramidfasern gehören zu den festesten Synthesefasern überhaupt. Was eine Aramidfaser ist, welche Typen es gibt, was sie kosten und wie sie Asphalt verstärken.

Eine Aramidfaser ist eine Synthesefaser aus aromatischem Polyamid mit einer Zugfestigkeit von etwa 3.000 MPa — pro Kilo ungefähr fünfmal so fest wie Stahl. Aramid schmilzt nicht und bleibt formstabil bis über 450 °C. In Asphalt wirken Aramidfasern als dreidimensionale Bewehrung gegen Riss- und Spurrinnenbildung, bei einer Dosierung von etwa 500 Gramm pro Tonne.

Was ist eine Aramidfaser?

Aramid ist die Kurzform für aromatisches Polyamid: ein Polymer, dessen Ketten aus aromatischen Ringen aufgebaut sind, untereinander verbunden durch Amidbrücken. Beim Spinnen richten sich diese steifen Ketten nahezu perfekt in Längsrichtung der Faser aus, und Wasserstoffbrücken zwischen den Ketten fixieren diese Ordnung. Das erklärt die außergewöhnliche Kombination aus Zugfestigkeit, geringer Dehnung und thermischer Stabilität — Eigenschaften, die mit gewöhnlichen Kunststofffasern wie Polypropylen nicht erreichbar sind.

Die zwei bekanntesten Markennamen sind Twaron von Teijin Aramid — produziert in den Niederlanden, in Emmen und Delfzijl — und Kevlar von DuPont. Aramid wird bereits seit den siebziger Jahren dort eingesetzt, wo extreme Anforderungen gelten: kugelsichere Westen, Flugzeugteile, Bremsbeläge, Glasfaserkabel und Brandschutzkleidung. Im Straßenbau ist die Faser der Kern von Aramid-Asphaltfasern, die Riss- und Spurrinnenbildung in der Deckschicht verzögern.

Para-Aramid und Meta-Aramid: zwei Typen

Es gibt zwei Familien von Aramidfasern, mit deutlich unterschiedlichen Anwendungen:

• Para-Aramid (Twaron, Kevlar) — die feste Variante: sehr hohe Zugfestigkeit und Steifigkeit, gedacht für Bewehrung und Verstärkung. Dieser Typ wird in Asphalt verwendet.

• Meta-Aramid (Nomex, Teijinconex) — weniger fest, aber hervorragend beständig gegen Hitze und Flammen; vor allem eingesetzt in Brandschutzkleidung und Filtration.

Wo im Straßenbau von Aramidfasern die Rede ist, geht es also fast immer um Para-Aramid.

Eigenschaften von Aramidfasern

Die wichtigsten Eigenschaften der Aramidfaser im Überblick, mit den Werten der Twaron-Faser, wie sie in Asphalt eingesetzt wird:

• Zugfestigkeit — etwa 3.000 MPa; pro Kilo Material ungefähr fünfmal fester als Stahl.

• Hitzebeständigkeit — Aramid schmilzt nicht, bleibt formstabil bis über 450 °C und zersetzt sich erst darüber. Weit über den 140–180 °C, bei denen Asphalt produziert wird.

• Dichte — 1,45 g/cm³, grob fünfmal leichter als Stahl (7,85 g/cm³).

• Geringe Dehnung — die Faser nimmt bereits bei kleinen Verformungen Kraft auf, statt erst nach dem Strecken.

• Chemische Inertheit — Aramid reagiert nicht mit Bitumen oder anderen Bestandteilen des Asphaltmischguts und ist beständig gegen Tausalze.

• Korrosionsfrei — im Gegensatz zu Stahlfasern oder stählernen Bewehrungsgittern rostet Aramid nicht.

Diese Kombination macht Aramid besonders geeignet, Rissbildung in Asphalt zu verzögern und das Gesteinsgerüst offener Mischungen — wie porösen Asphalts (ZOAB) — zusammenzuhalten.

Aramid im Vergleich mit anderen Fasern

In Asphalt und Beton werden mehrere Fasertypen verwendet, jeder mit eigener Rolle. Die Unterschiede auf einen Blick:

• Aramid (Twaron/Kevlar) — Zugfestigkeit ±3.000 MPa, schmilzt nicht (formstabil bis >450 °C); Funktion: echte Bewehrung, die Risse überbrückt und Spurrinnenbildung bremst.

• Zellulose — Naturfaser mit begrenzter Festigkeit; Funktion: Bindemittelträger, der in SMA und ZOAB das Abtropfen des Bitumens verhindert, keine bewehrende Wirkung.

• Polyacryl (PAN) und Polyolefin — Kunststofffasern mit deutlich niedrigerer Zugfestigkeit und einem Schmelzpunkt um 110 °C (Polyolefin); in Fasermischungen vor allem Träger- und Verteilfaser.

• Basalt — Mineralfaser, gesponnen aus geschmolzenem Basaltgestein, hitzebeständig bis etwa 700 °C; wird vor allem in Beton als korrosionsfreie Alternative zu Stahl eingesetzt.

In der Praxis werden Typen kombiniert: Eine Aramid-Asphaltfaser enthält neben dem bewehrenden Para-Aramid oft eine Polyolefin-Trägerfaser, die beim heißen Mischen schmilzt und so die Aramidfilamente gleichmäßig im Mischgut verteilt. Welche Faser zu welchem Mischguttyp passt, lesen Sie in was faserverstärkter Asphalt genau ist.

Wie wirkt eine Aramidfaser in Asphalt?

Bei der Asphaltproduktion wird die Aramidfaser — oft zusammen mit einem kleinen Anteil Zellulosefaser gegen das Ablaufen des Bindemittels — trocken zugegeben: Die Fasern kommen zur Gesteinskörnung, vor der Zugabe des Bitumens. Sobald die Fasern gut verteilt sind, wirken die Millionen Filamente auf Mikroebene als dreidimensionale Bewehrung:

• Rissüberbrückung — wo ein Mikroriss entsteht, überspannt die Faser die Rissfläche und verhindert so, dass sich der Riss weiter fortsetzt.

• Kraftverteilung — die Belastung des passierenden Verkehrs wird über die Fasern im Mischgut verteilt, statt sich auf eine einzelne Schwachstelle zu konzentrieren.

• Stabilisierung des Mörtels — in porösem Asphalt hält die Faser die Mörtelbrücke zwischen den Körnern des Gesteinsgerüsts fester zusammen, was Kornausbruch (das Herauslösen von Gesteinskörnern) entgegenwirkt.

Das Ergebnis ist ein Asphaltmischgut, das mit einem Standard-Straßenbaubitumen — anstelle des teureren und schwerer zu recycelnden polymermodifizierten Bitumens (PmB) — einen vergleichbaren oder besseren Widerstand gegen Rissbildung und Kornausbruch erreicht. Wie sich dieses Prinzip zu anderen Verstärkungstechniken verhält, lesen Sie in unserer Übersicht über faserverstärkten Asphalt.

Warum Aramidfasern statt PmB oder Bewehrungsgittern?

Traditionell wird Asphalt mit polymermodifiziertem Bitumen oder mit Bewehrungsgittern verstärkt. Beide haben eine Kehrseite: PmB erfordert eine höhere Produktionstemperatur und ist schwieriger zu recyceln, während Bewehrungsgitter einen separaten, zeitraubenden Arbeitsgang verlangen und beim Fräsen Probleme bereiten.

Die europäische FIBRA-Forschung auf der A73 bei Roermond verglich beide Wege direkt. Das Aramidfasermischgut (mit Twaron) wurde bei etwa 165 °C produziert, das PmB-Referenzmischgut bei etwa 181 °C — ein Unterschied von 15 bis 20 °C, der sich direkt in weniger Energieverbrauch und weniger Dämpfe beim Einbau übersetzt. Auf Cradle-to-Gate-Ebene lag der Umweltkostenindikator (MKI) der Aramidvariante gut 10% niedriger, und in den Praxismessungen auf der Straße schnitten beide Varianten gleichwertig ab. Die vollständigen Zahlen stehen in unserem Vergleich von Aramidfasern und PmB.

Ein wichtiger Vorbehalt: Bei konstruktiven Verstärkungsfragen — beispielsweise Reflexionsrissen über einer gerissenen Tragschicht — bleibt eine Beurteilung durch den Straßenplaner oder Tragwerksplaner nötig; Fasern sind kein automatischer Eins-zu-eins-Ersatz für jede Bewehrungslösung.

Dosierung: Wie viel Aramidfaser pro Tonne Asphalt?

Die gängige Dosierung von Aramid-Asphaltfasern liegt bei rund 500 Gramm pro Tonne Asphalt — umgerechnet etwa 0,05% des Mischgutgewichts, abhängig von Mischgut und Anwendung. Diese niedrige Dosierung ist möglich, weil ein Strang aus Tausenden einzelner Filamente besteht, die sich beim Mischen im gesamten Volumen verteilen: AsphaltX mit 2000 Filamenten pro Strang enthält 45% mehr als vergleichbare Produkte.

Die Fasern (Länge ±19 mm) werden in vorverpackten Beuteln von 500 Gramm geliefert: ein Beutel pro Tonne Asphalt, von Hand oder automatisiert in den Mischer gegeben, ohne Anpassung der Asphaltrezeptur. Warum gerade diese 500 Gramm so wirksam sind, erklären wir in 500 Gramm Twaron pro Tonne Asphalt.

Was kosten Aramidfasern? Preis pro kg und Einkauf

Aramid ist eine hochwertige technische Faser und damit pro Kilo teurer als beispielsweise Polypropylen oder Zellulose: Rechnen Sie als Anhaltswert mit einigen Dutzend Euro pro Kilogramm (Preisniveau 2026, abhängig von Typ, Volumen und Verpackung). Durch die niedrige Dosierung von etwa 500 Gramm pro Tonne bleiben die Faserkosten pro Tonne Asphalt jedoch auf einen bescheidenen Aufschlag begrenzt — und aus dem FIBRA-Businesscase geht hervor, dass Aramidfasern gegenüber PmB kostenneutral ausfallen können, sofern eine vergleichbare Lebensdauer erreicht wird.

Wer Aramidfasern für Asphaltanwendungen kaufen möchte, kauft in der Praxis keine lose Faser, sondern eine fertig dosierte Fasermischung über einen spezialisierten Lieferanten. Dutch Fiber Trading liefert AsphaltX (Twaron-Basis, europäische Produktion, aufgenommen in die OPWA-Liste unter BRL 9320) ab Lager in Kartons mit 35 × 500 Gramm. Fordern Sie über die Angebotsseite einen Projektpreis und aktuelle Lieferzeiten an, oder nehmen Sie Kontakt auf für eine Dosierungsberatung je Mischguttyp.

Wo wird aramidfaserverstärkter Asphalt eingesetzt?

Aramidfasern werden dort eingesetzt, wo Asphalt schwer belastet wird und die Kosten vorgezogener Instandhaltung hoch sind:

• Fernstraßen und Provinzialstraßen mit hoher Verkehrsintensität, wie das FIBRA-Praxistestfeld auf der A73 und 8 Kilometer N337 zwischen Zwolle und Deventer.

• Landstraßen und Kreisverkehre, wo wringender Verkehr zusätzliche Schubkräfte auf die Deckschicht bringt — wie der Kreisverkehr N711 in Flevoland.

• Schwer belastete Baustraßen und temporäre Erschließungsrouten.

• Betriebsgelände in der Distributions- und Transportbranche.

• Rennstrecken.

Weil Aramid bei heißen Mischungen nicht schmilzt, eignet sich die Faser auch für Mischgüter, die gezielt auf Temperaturbeständigkeit ausgewählt werden; wie das funktioniert, lesen Sie in hitzebeständiger Asphalt gegen Spurrinnenbildung.

Aramidfasern in Ihrem Projekt einsetzen

Erwägen Sie Aramidfasern für einen Straßenabschnitt, Kreisverkehr oder ein Betriebsgelände? Beginnen Sie mit dem Mischguttyp (ZOAB, SMA oder dichter Asphaltbeton) und der erwarteten Belastung; die Dosierung von etwa 500 Gramm pro Tonne gilt als Ausgangspunkt und wird je Mischgut abgestimmt. AsphaltX erfordert keine Anpassung der Rezeptur, sodass jedes Asphaltmischwerk das Mischgut produzieren kann. Für ein projektspezifisches Angebot und eine Einbauberatung steht unser Team über die Angebotsanfrage bereit.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Aramidfaser?
Eine Aramidfaser ist eine Synthesefaser aus aromatischem Polyamid, bekannt unter Markennamen wie Twaron und Kevlar. Die Faser kombiniert eine Zugfestigkeit von etwa 3.000 MPa — pro Kilo ungefähr fünfmal fester als Stahl — mit Hitzebeständigkeit bis über 450 °C, geringer Dehnung und chemischer Inertheit. Im Straßenbau dient Aramid als Bewehrung in faserverstärktem Asphalt gegen Riss- und Spurrinnenbildung.
Warum schmelzen Aramidfasern nicht im heißen Asphalt?
Aramid hat keinen Schmelzpunkt wie gewöhnliche Kunststoffe: Die Faser bleibt formstabil bis über 450 °C und zersetzt sich erst darüber. Asphalt wird bei 140 bis 180 °C produziert, die Faser behält also während Mischen, Transport und Verdichten ihre volle Festigkeit. Kunststofffasern wie Polyolefin (Schmelzpunkt ±110 °C) schmelzen in dieser Phase dagegen sehr wohl und dienen deshalb nur als Trägerfaser.
Was ist der Unterschied zwischen Twaron und Kevlar?
Twaron und Kevlar sind beide Para-Aramidfasern mit nahezu denselben Eigenschaften; der Unterschied liegt im Hersteller. Twaron wird von Teijin Aramid in den Niederlanden produziert (Emmen und Delfzijl), Kevlar von DuPont in den Vereinigten Staaten. AsphaltX basiert auf Twaron-Technologie, mit europäischer Produktion und dadurch einer kurzen, kontrollierbaren Kette.
Was kosten Aramidfasern pro kg?
Lose Aramidfaser kostet als Anhaltswert einige Dutzend Euro pro Kilogramm (Preisniveau 2026, abhängig von Typ und Volumen). Für Asphalt beträgt die Dosierung nur etwa 500 Gramm pro Tonne, wodurch die Faserkosten pro Tonne Asphalt begrenzt bleiben; die FIBRA-Forschung zeigt, dass der Einsatz gegenüber PmB kostenneutral sein kann. Fordern Sie über die Angebotsseite einen aktuellen Projektpreis an.
Ersetzen Aramidfasern Bewehrungsgitter vollständig?
In vielen Deckschichten ja: Die Fasern verstärken das Mischgut dreidimensional, sparen den separaten Arbeitsgang des Gitterverlegens und bereiten beim späteren Fräsen keine Probleme. Bei konstruktiven Fragestellungen, wie Reflexionsrissen über einer gerissenen Tragschicht, gehört jedoch immer eine Beurteilung durch den Straßenplaner oder Tragwerksplaner dazu — Fasern sind kein automatischer Ersatz für jede Bewehrungslösung.
Kann man Aramidfasern auch in Beton verwenden?
Technisch geht das, aber in Beton werden fast immer Stahl-, Kunststoff- oder Basaltfasern eingesetzt: Sie sind pro Kilo günstiger und auf Betonleistungen genormt (EN 14889). Aramid kommt vor allem in Asphalt zur Geltung, wo die Hitzebeständigkeit während des heißen Mischens ausschlaggebend ist. Sehen Sie sich für Betonanwendungen das Sortiment an Betonfasern an.

Genannte Produkte

AsphaltX® — Asphaltfasern
AramidAsphalt

AsphaltX®

2000 Filamente pro Aramidstrang — 45% mehr als bei Wettbewerbern. Niedrigster CO₂-Fußabdruck, europäische Produktion, bewährt auf der N337.

  • TypFasermischung Aramid (Twaron®) + Polyolefin
  • Länge± 19 mm
  • ZugfestigkeitTwaron 3000 MPa · Polyolefin 483 MPa
  • Spezifisches GewichtTwaron 1,45 · Polyolefin 0,91 g/cm³

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