Was ist ZOAB? Offenporiger Asphalt erklärt

Faserbewehrter Asphalt31. Juli 20269 Min. LesezeitPortretfoto van Niels HilverinkVerfasst von Niels Hilverink
Nahaufnahme der offenen Splittstruktur einer ZOAB-Fahrbahndecke auf einer Autobahn, in der Regenwasser zwischen den Gesteinskörnern versickert

ZOAB ist poröser Asphalt mit über 20% Hohlraumgehalt: Er führt Regenwasser ab und dämpft Reifengeräusche. Wie er funktioniert, wo er verwundbar ist und was Fasern dagegen tun.

ZOAB steht für zeer open asfaltbeton — auf Deutsch: sehr offener Asphaltbeton, international als offenporiger Asphalt (OPA) bekannt. Der poröse Belag hat mindestens 20% Hohlraumgehalt: Regenwasser versickert in der Fahrbahndecke, Reifengeräusche werden gedämpft. Seit Ende der Achtzigerjahre ist ZOAB Standard auf niederländischen Fernstraßen — rund 90% des Hauptstraßennetzes sind damit ausgeführt. Die Kehrseite: Anfälligkeit für Kornausbruch und eine kürzere Lebensdauer der Deckschicht.

Was bedeutet die Abkürzung ZOAB?

Die Abkürzung ZOAB bedeutet wörtlich zeer open asfaltbeton (sehr offener Asphaltbeton) — gesprochen als ein Wort. "Sehr offen" bezieht sich auf den Hohlraumgehalt des Mischguts: Wo dichter Asphaltbeton höchstens wenige Prozent Poren enthält, sind es bei ZOAB mindestens 20% des Volumens. International heißt dieser Mischguttyp porous asphalt (PA), im deutschsprachigen Raum offenporiger Asphalt (OPA) oder umgangssprachlich Flüsterasphalt; in den FIBRA-Forschungsdokumenten zur A73 begegnet Ihnen daher die Bezeichnung 2L-PA für zweilagigen offenporigen Asphalt.

Der oft gelesene Begriff "ZOAB-Asphalt" ist streng genommen doppelt gemoppelt — der Asphalt steckt bereits in der Abkürzung —, hat sich in der Alltagssprache aber vollständig eingebürgert. ZOAB ist ein Deckschichtmischgut: Es bildet die oberste Lage des Oberbaus, auf einer dichten Asphaltunterschicht, die die konstruktive Tragfähigkeit liefert.

Wer hat ZOAB erfunden?

Einen Erfinder mit Namen gibt es nicht: ZOAB wurde in den Siebzigerjahren in den Niederlanden von Rijkswaterstaat gemeinsam mit dem Straßenbausektor entwickelt — aufbauend auf Erfahrungen mit porösen Deckschichten, die zuvor auf Flughäfen eingesetzt wurden, um Wasserfilme auf Start- und Landebahnen zu verhindern. Anfang der Siebzigerjahre entstanden die ersten niederländischen Versuchsstrecken im Fernstraßennetz.

Die Ergebnisse — weniger Sprühfahnen, weniger Aquaplaning und eine spürbar leisere Fahrbahn — waren so überzeugend, dass Rijkswaterstaat ZOAB ab 1987 als Standarddeckschicht für Fernstraßen vorschrieb. Inzwischen liegt auf rund 90% der niederländischen Fernstraßen eine ZOAB-Deckschicht, und das Mischgut gilt international als niederländisches Exportprodukt im Straßenbau.

Wie funktioniert ZOAB?

Das Geheimnis von ZOAB liegt im Mischgutaufbau. Ein dichtes Asphaltmischgut enthält neben Splitt viel Sand und Füller, sodass nahezu der gesamte Raum zwischen den Gesteinskörnern gefüllt wird. ZOAB enthält dagegen sehr wenig Sand und Füller: Das Mischgut besteht fast vollständig aus grobem Splitt einer Korngröße, umhüllt von einer dünnen Schicht Bitumenmörtel. Die Körner stützen sich wie ein Skelett aufeinander und lassen untereinander Poren offen — den Hohlraumgehalt von mindestens 20%, dem das Mischgut seinen Namen verdankt.

Diese offene Struktur liefert die zwei Eigenschaften, für die ZOAB eingesetzt wird: Wasserableitung und Lärmminderung.

Wasserableitung: kein Spritzwasser, weniger Aquaplaning

Bei Regen versickert das Wasser durch die Poren in die Deckschicht und fließt über die dichte Unterschicht seitlich zum Bankett oder zur Entwässerung ab. Die Fahrbahnoberfläche selbst bleibt dadurch nahezu frei von Wasserfilmen. Für den Verkehrsteilnehmer bedeutet das: kaum aufspritzendes Wasser hinter Lkw, bessere Sicht auf die Markierung und ein stark verringertes Aquaplaning-Risiko. Dieser Verkehrssicherheitseffekt war seinerzeit der wichtigste Grund, ZOAB großflächig einzuführen.

Lärmminderung: Poren dämpfen Reifengeräusche

Dieselben Poren absorbieren einen Teil des Reifengeräuschs und verhindern den "Luftpumpeffekt" zwischen Reifen und Fahrbahn. Einlagiger ZOAB ist dadurch indikativ etwa 2 bis 3 dB leiser als dichter Asphaltbeton; zweilagiger ZOAB legt noch einmal rund 2 dB drauf. Zur Einordnung: Auf der A73-Versuchsstrecke wurden zwölf Wochen nach dem Einbau CPX-Geräuschpegel von 91 bis 93 dB(A) gemessen — und diese Werte erwiesen sich als unabhängig vom eingesetzten Bewehrungstyp, wie wir in unserem Artikel über faserverstärkten Asphalt und Lärmminderung ausführen.

Für Straßenbaulastträger, die gesetzliche Lärmobergrenzen einhalten müssen, ist diese Dämpfung oft der ausschlaggebende Grund, sich für (zweilagigen) ZOAB zu entscheiden.

Einlagiger versus zweilagiger ZOAB

ZOAB gibt es in zwei Hauptvarianten:

• Einlagiger ZOAB — eine offene Deckschicht von circa 50 mm mit relativ grobem Splitt (beispielsweise 11/16 mm). Die Standardlösung auf dem größten Teil des Fernstraßennetzes.

• Zweilagiger ZOAB (auch Doppelschicht-ZOAB genannt) — eine grobe, sehr offene Unterlage mit einer dünnen Decklage aus feinem Splitt darauf ("zweilagiger ZOAB fein", beispielsweise 4/8 mm). Die feine Decklage wirkt als Filter: Schmutz bleibt oben hängen und wird durch Regen und Verkehr wieder ausgespült, sodass die grobe Unterlage offen bleibt.

Zweilagiger ZOAB ist die leiseste Variante und wird vor allem dort eingesetzt, wo die Lärmanforderungen streng sind, etwa entlang von Wohnbebauung. Dem steht gegenüber, dass die feine Decklage am anfälligsten für Kornausbruch ist und daher am schnellsten Instandhaltung verlangt. Genau dieser Mischguttyp (2L-PA 8) wurde in der FIBRA-Praxisstudie auf der A73 auf Faserverstärkung getestet.

Was sind die Nachteile von ZOAB?

Die offene Struktur, die ZOAB seine Qualitäten verleiht, ist zugleich seine Achillesferse. Drei Nachteile bestimmen das Instandhaltungsbild.

Kornausbruch: das dominierende Schadensbild

Kornausbruch ist das Herauslösen von Splitt aus der Fahrbahndecke. Weil die Körner in ZOAB nur über dünne Mörtelbrücken miteinander verbunden sind, gibt es wenig Reserve: Altert der Bitumenmörtel durch Sonne, Wasser und Temperaturwechsel, werden diese Brücken spröde und der Verkehr hebelt die Körner heraus. Einmal begonnen, beschleunigt sich der Prozess — jedes verschwundene Korn erhöht die Belastung seiner Nachbarn. Kornausbruch ist für Rijkswaterstaat der maßgebende Schadensmechanismus, der das Lebensdauerende einer ZOAB-Deckschicht bestimmt, und tritt verstärkt an Stellen mit Schub- und Wendeverkehr auf, etwa Auf- und Abfahrten und engen Kurven.

Frost und Glätte: früher glatt, mehr Salz

ZOAB und Frost sind eine schwierige Kombination. Die Poren isolieren die Deckschicht vom wärmeren Untergrund, wodurch die Oberfläche schneller abkühlt als dichter Asphalt und früher anfriert. Zudem versickert Streusalz mit dem Schmelzwasser teilweise in die Poren, wodurch es kürzer auf der Fahrbahnoberfläche wirkt: Der Winterdienst auf ZOAB verlangt häufigeres und intensiveres Streuen. Daher die bekannte Warnung, dass Brücken und ZOAB-Abschnitte bei winterlichen Bedingungen als Erste glatt werden.

Kürzere Lebensdauer und höhere Kosten

Eine ZOAB-Deckschicht hält kürzer als eine dichte Deckschicht. Indikativ: Wo Splittmastixasphalt (SMA) oft 15 Jahre oder länger hält, wird einlagiger ZOAB in der Regel nach etwa 10 bis 13 Jahren ersetzt und die feine Decklage von zweilagigem ZOAB oft schon nach 7 bis 9 Jahren — stark abhängig von Verkehrsbelastung und Lage. Außerdem ist ZOAB im Einbau teurer als dichter Asphalt (mehr Bitumen höherer Qualität pro Tonne, höhere Anforderungen an die Verarbeitung), und die Entwässerung entlang der Straße verlangt zusätzliche Aufmerksamkeit. Wer über den gesamten Lebenszyklus rechnet, muss also sowohl die Einbaukosten als auch den kürzeren Erneuerungszyklus einbeziehen.

Lebensdauer und Instandhaltung von ZOAB

Die Instandhaltung von ZOAB dreht sich um zwei Dinge: die Poren offen halten und den Mörtel so lange wie möglich gesund halten.

• Reinigen — mit einem ZOAB-Cleaner (einer Spül-Saug-Kombination, die Wasser unter hohem Druck in die Fahrbahndecke presst und direkt zurücksaugt) werden zugesetzte Poren wieder geöffnet, sodass Wasserableitung und Lärmminderung erhalten bleiben.

• Präventiv konservieren — Verjüngungsmittel (Rejuvenatoren) frischen gealterten Bitumenmörtel vorübergehend wieder auf und schieben den Kornausbruch hinaus; lebensdauerverlängernde Instandhaltung, die Straßenbaulastträger immer häufiger einplanen.

• Überwachen und reparieren — jährliche Inspektionen auf Kornausbruch und Griffigkeit bestimmen, wann örtliche Reparatur oder der Ersatz der Deckschicht nötig ist.

Wie Sie diese Abwägungen in ein Instandhaltungsprogramm gießen, lesen Sie in unserem Artikel über Asphaltinstandhaltung und Lebensdauerverlängerung.

Faserverstärkung: ZOAB widerstandsfähiger gegen Kornausbruch machen

Weil Kornausbruch bei den alternden Mörtelbrücken beginnt, liegt dort auch der aussichtsreichste Eingriff: den Mörtel selbst verstärken. Genau das leistet faserverstärkter Asphalt. Während der Produktion werden starke Fasern — bei ZOAB in der Regel Aramid — trocken in das Mischgut eingemischt. Die Fasern verankern sich im Mörtel, überbrücken beginnende Mikrorisse und halten das Gesteinsgerüst länger intakt: Faserverstärkung gegen Kornausbruch von ZOAB im wörtlichsten Sinne.

Dass das auf dem anspruchsvollsten denkbaren Straßentyp funktioniert, wurde in den Niederlanden auf der A73 bei Roermond nachgewiesen. Im Rahmen des europäischen FIBRA-Projekts bauten BAM und Rijkswaterstaat dort im August 2020 eine Versuchsstrecke aus zweilagigem ZOAB mit rund 50.000 Fahrzeugen pro Werktag ein. Der Abschnitt mit Aramidfaser (Twaron 1080, dosiert um 0,05% — etwa 500 Gramm pro Tonne Asphalt, abhängig von Mischgut und Anwendung) schnitt bei Griffigkeit, Wasserableitung und Lärm gleichwertig mit der Referenz aus polymermodifiziertem Bitumen ab, wurde aber bei circa 165 °C statt 181 °C produziert und lag beim Umweltkostenindikator (MKI, cradle-to-gate) über 10% niedriger.

Für die Praxis bedeutet das: Es gibt eine für ZOAB-Deckschichten geeignete Aramidfaser, die ohne Rezepturänderung im Asphaltmischwerk mitläuft — AsphaltX, auf Basis desselben Twaron-Aramids wie in der A73-Studie, mit einem Schmelzpunkt über 450 °C und gelistet in der OPWA-Liste (BRL 9320 / NL BSB). Wichtig zu wissen: Die Faser übernimmt die Rolle der Polymermodifikation im Deckschichtmörtel, ersetzt aber keine konstruktiven Maßnahmen — die Mischgutwahl bleibt Maßarbeit je Projekt.

ZOAB-Projekt oder Instandhaltungsaufgabe?

Mehr über die Technik hinter Fasern in Asphalt erfahren? Unser Wissenszentrum bündelt alle Artikel zu diesem Thema in der Pillar-Seite faserverstärkter Asphalt. Steht eine ZOAB-Deckschicht auf Ihrem Plan und möchten Sie wissen, was Faserverstärkung für Lebensdauer und MKI-Wert bedeutet? Fordern Sie ein Angebot oder eine Pilotprojekt-Beratung an — wir rechnen kostenlos mit Ihrem Mischgut und Ihrer Verkehrsbelastung mit.

Häufig gestellte Fragen

Wofür steht die Abkürzung ZOAB?
ZOAB steht für zeer open asfaltbeton (sehr offener Asphaltbeton): ein Asphaltmischgut mit mindestens 20% Hohlraum zwischen den Splittkörnern. Durch diese Poren versickert Regenwasser in der Fahrbahn und werden Reifengeräusche gedämpft. International heißt dieser Mischguttyp porous asphalt (PA), im Deutschen offenporiger Asphalt. ZOAB ist seit Ende der Achtzigerjahre die Standarddeckschicht auf niederländischen Fernstraßen.
Wer hat ZOAB erfunden?
ZOAB hat keinen einzelnen Erfinder: Das Mischgut wurde in den Siebzigerjahren in den Niederlanden von Rijkswaterstaat und dem Straßenbausektor entwickelt, inspiriert von porösen Deckschichten auf Flughäfen. Nach den ersten Versuchsstrecken Anfang der Siebzigerjahre wurde ZOAB ab 1987 die Standarddeckschicht auf Fernstraßen; inzwischen liegt er auf circa 90% des niederländischen Hauptstraßennetzes.
Was ist der Unterschied zwischen einlagigem und zweilagigem ZOAB?
Einlagiger ZOAB ist eine offene Deckschicht von circa 50 mm mit grobem Splitt. Zweilagiger ZOAB kombiniert eine grobe offene Unterlage mit einer dünnen, feinen Decklage, die als Schmutzfilter wirkt und die Fahrbahn noch einmal rund 2 dB leiser macht. Die feine Decklage ist allerdings anfälliger für Kornausbruch und wird dadurch früher erneuert.
Warum ist ZOAB bei Frost glatt?
Die Poren in ZOAB isolieren die Deckschicht vom wärmeren Untergrund, wodurch die Oberfläche schneller abkühlt und früher anfriert als dichter Asphalt. Streusalz versickert zudem mit dem Schmelzwasser in die Poren und wirkt dadurch kürzer auf der Fahrbahnoberfläche. Der Winterdienst auf ZOAB verlangt also häufigeres und intensiveres Streuen als auf dichten Deckschichten.
Wie lange hält ZOAB?
Indikativ hält einlagiger ZOAB etwa 10 bis 13 Jahre und die feine Decklage von zweilagigem ZOAB circa 7 bis 9 Jahre, gegenüber 15 Jahren oder mehr bei dichten Deckschichten — abhängig von Verkehrsbelastung und Lage. Kornausbruch ist meist maßgebend. Mörtelverstärkung mit Aramidfasern wie AsphaltX bremst diesen Mechanismus und verlängert die Nutzungsdauer der Deckschicht.
Was ist Kornausbruch bei ZOAB?
Kornausbruch ist das Herauslösen von Splitt aus der Fahrbahndecke. In ZOAB sind die Körner nur über dünne Brücken aus Bitumenmörtel verbunden; altert dieser Mörtel, hebelt der Verkehr die Körner heraus und beschleunigt sich der Schaden selbst. Auf der A73 wurde im Rahmen der FIBRA-Studie nachgewiesen, dass Faserverstärkung des Mörtels diesen Mechanismus abbremst.

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  • TypFasermischung Aramid (Twaron®) + Polyolefin
  • Länge± 19 mm
  • ZugfestigkeitTwaron 3000 MPa · Polyolefin 483 MPa
  • Spezifisches GewichtTwaron 1,45 · Polyolefin 0,91 g/cm³

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