Was sind Spurrinnen? Bedeutung, Ursachen, Gefahren und Lösungen

Spurrinnen (umgangssprachlich Spurrillen) sind bleibende Rinnen in den Rollspuren der Fahrbahn. Bedeutung, die vier Ursachen, die Arten im Überblick und was dagegen hilft.
Spurrinnen (umgangssprachlich auch Spurrillen) sind bleibende, in Fahrtrichtung verlaufende Vertiefungen in den Rollspuren einer Fahrbahn, also dort, wo die meisten Reifen fahren. Sie entstehen, wenn wiederholte Achslasten des Schwerverkehrs den Asphalt Stück für Stück verdrücken und nachverdichten; Hitze, eine zu weiche Mischung oder ein nachgebender Untergrund beschleunigen das. In den Rinnen bleibt Regenwasser stehen, mit Aquaplaning als größter Gefahr.
Den Schadensprozess nennen Fachleute Spurrinnenbildung. Für Autofahrer sind Spurrillen in der Fahrbahn vor allem ein Sicherheitsthema, für Straßenbaulastträger und Bauunternehmen ein typisches Schadensbild an Kreisverkehren, Busspuren und Lkw-Fahrstreifen. Dieser Artikel erklärt die Bedeutung, die vier Ursachen, die Arten im Tabellenvergleich, die Messung und die Lösungen bis hin zur Faserbewehrung.
Was sind Spurrinnen? Bedeutung von Spurrinne und Spurrille
Eine Spurrinne, umgangssprachlich Spurrille, ist eine durch häufiges Befahren entstandene, in Fahrtrichtung verlaufende Vertiefung in der Fahrbahn. Beide Wörter meinen dasselbe: Im Straßenbau spricht man von Spurrinnen, im Alltag ist oft von Spurrillen die Rede.
Asphalt ist kein starres Material. Das Bindemittel Bitumen ist thermoplastisch und verhält sich unter langanhaltender Belastung viskos: Jede Achslast, die passiert, drückt die Mischung einen winzigen Bruchteil ein und zur Seite. Ein einzelner Lkw macht keinen Unterschied; Zehntausende Achslasten pro Jahr auf exakt demselben Streifen schon. Die Summe all dieser kleinen, bleibenden Verformungen wird als zwei parallele Rinnen in der Fahrbahn sichtbar, genau in den Rollspuren. Das ist Spurrinnenbildung: bleibende (plastische) Verformung im Querprofil der Straße, im Gegensatz zur elastischen Verformung, die nach dem Passieren des Reifens zurückfedert. Spurrinnen sind damit die sichtbarste Form bleibender Verformung im Asphalt.
Kennzeichnend ist die Lage: genau in der linken und rechten Radspur des Fahrstreifens. Oft sind die Rinnen nach einem Regenschauer am deutlichsten zu sehen, wenn das Wasser als zwei glänzende Bänder darin stehen bleibt. Neben den vertieften Spuren kann sich die Mischung leicht aufwölben, denn das verdrängte Material muss irgendwohin.
Auf unbefestigten Feld- und Waldwegen entstehen Spurrinnen auf andere Weise: Dort sinken die Räder in den weichen Boden ein und verdrängen ihn. Dieser Artikel behandelt Spurrinnen in Asphaltfahrbahnen.
Warum sind Spurrinnen gefährlich?
• Aquaplaning: das größte Risiko. In den Spuren bleibt ein Wasserfilm stehen, der nicht zum Fahrbahnrand abfließen kann, und seine Dicke schwankt örtlich stark. Reifen können darauf den Kontakt zur Fahrbahn verlieren, genau auf dem Streifen, auf dem alle fahren. Treffen mehrere ungünstige Faktoren zusammen, ist Aquaplaning auch deutlich unter 80 km/h möglich.
• Lenkverhalten: Tiefe Spuren „ziehen“ an den Reifen. Vor allem beim Fahrstreifenwechsel oder Ausweichen fühlt sich das Fahrzeug unruhig an; Motorrad- und Radfahrer können durch die Spurkante aus dem Gleichgewicht geraten.
• Winterglätte: Wasser, das in den Spuren stehen bleibt, gefriert früher als eine gut entwässernde Oberfläche, mit örtlicher Eisbildung als Folge.
• Beschleunigte Folgeschäden: Ein verformtes Querprofil belastet die Deckschicht ungleichmäßig, wodurch Rissbildung und Kornausbruch an den Spurrändern schneller auftreten und der Erhaltungszyklus sich verkürzt.
Für Straßenbaulastträger sind Spurrinnen damit nicht nur ein Komfort-, sondern vor allem ein Verkehrssicherheitsthema und fester Bestandteil der regelmäßigen Zustandserfassung.
Spurrillen in der Fahrbahn: So verhalten Sie sich als Autofahrer
Spurrillen in der Fahrbahn erkennen Sie an zwei parallelen Rinnen im Fahrstreifen, die nach Regen als glänzende Wasserbänder hervortreten. Ein weiteres Zeichen: Das Lenkrad „zieht“, sobald Sie beim Spurwechsel über die Spurkante fahren. So verhalten Sie sich richtig:
• Geschwindigkeit anpassen: Sie ist der einzige Faktor, den Sie bei Aquaplaning-Gefahr sofort beeinflussen können.
• Mehr Abstand halten, damit Sie nicht plötzlich bremsen müssen.
• Bei Regen versetzt fahren: Wo es möglich ist, rollen Sie innerhalb Ihres Fahrstreifens leicht neben den wassergefüllten Rinnen.
• Nicht abrupt lenken oder bremsen, vor allem nicht beim Spurwechsel.
• Wenn das Fahrzeug aufschwimmt: Fuß vom Gas, nicht bremsen, die Räder gerade halten und erst behutsam korrigieren, wenn die Reifen wieder greifen.
• Motorrad- und Radfahrer: Wechseln Sie die Spur bewusst und zügig, statt längs an der Spurkante entlangzufahren.
Für den Straßenbaulastträger sind wiederkehrende Spurrinnen ein Signal, die Spurrinnentiefe zu messen und die Instandhaltung einzuplanen.
Wodurch entstehen Spurrinnen? Die vier Ursachen
Spurrinnen haben selten eine einzige Ursache. In der Praxis entsteht der Schaden aus einer Kombination von vier Faktoren, und die wirksame Lösung hängt davon ab, welcher Faktor dominiert.
1. Schwerer und spurtreuer Verkehr
Der Motor hinter jeder Form von Spurrinnenbildung ist wiederholte Achslast. Lkw-Verkehr fällt dabei besonders ins Gewicht: Die verformende Wirkung einer Achslast wächst überproportional mit dem Gewicht, sodass eine schwere Lkw-Achse die Fahrbahn um ein Vielfaches stärker beansprucht als Tausende Pkw. Fährt dieser Schwerverkehr zudem stets in exakt derselben Spur (spurtreuer, kanalisierter Verkehr wie auf einer Busspur oder einem rechten Fahrstreifen voller Lkw), konzentriert sich die gesamte Belastung auf zwei schmale Streifen und beschleunigt die Spurrinnenbildung erheblich.
Hinzu kommt das Tempo: Langsamer Verkehr belastet die Mischung länger je Überrollung, weil das viskose Bitumen mehr Zeit zum Nachgeben hat. Deshalb sind Steigungsstrecken, auf denen Lkw nur langsam vorankommen, ebenso anfällig wie Kreuzungen und Haltestellen.
2. Hitze: eine weiche Fahrbahn verformt sich schneller
Bitumen verliert mit steigender Temperatur an Steifigkeit. Der Erweichungspunkt gängigen Straßenbitumens liegt um 45–55 °C, und dieses Niveau wird auch in Mitteleuropa tatsächlich erreicht: Bei 30 °C Lufttemperatur heizt sich schwarzer Asphalt an der Oberfläche auf circa 50–60 °C auf. Unter diesen Bedingungen drückt derselbe Verkehr die erweichte Mischung spürbar schneller ein. Heiße Sommer sind daher die Zeit, in der Spurrinnen am stärksten wachsen. Als vorbeugende Maßnahme gelten helle Gesteinskörnungen in der Deckschicht, weil eine hellere Oberfläche weniger Sonnenstrahlung aufnimmt. Wie Temperatur, weicher Asphalt und Fasern genau zusammenhängen, lesen Sie in unserem Artikel über Hitze, Fahrbahntemperatur und Spurrinnenbildung.
3. Die Mischung: Bindemittel, Gesteinsgerüst und Verdichtung
Nicht jede Asphaltmischung ist gleich widerstandsfähig gegen bleibende Verformung. Risikofaktoren sind ein zu weiches oder zu reichlich dosiertes Bindemittel, runder (Natur-)Sand statt gebrochenen Materials und ein schwaches Gesteinsgerüst, in dem sich die Körner gegenseitig nicht ausreichend verzahnen. Mischungen mit starkem Gesteinsgerüst wie Splittmastixasphalt (SMA) sind gerade dafür entworfen, die Belastung über Korn-zu-Korn-Kontakt abzutragen statt über den Mörtel.
Auch die Ausführung zählt. Typische Einbaufehler, die Spurrinnen begünstigen, sind eine zu niedrige Einbautemperatur, eine unzureichende Verdichtung, ein mangelnder Schichtenverbund zwischen den Asphaltschichten und eine zu geringe Schichtdicke. Eine Deckschicht, die beim Einbau nicht ausreichend verdichtet wurde, wird in den ersten Jahren vom Verkehr „nachgewalzt“, mit einer frühen Spur als Ergebnis. Welche Rolle die Temperatur dabei spielt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Einbautemperatur des Asphalts.
4. Untergrund und Tragschicht
Spurrinnen müssen nicht in den Asphaltschichten selbst entstehen. Sackt die Tragschicht oder ein weicher, wenig tragfähiger Untergrund unter der Radspur ab, sinkt das gesamte Paket mit. Diese strukturellen Spurrinnen sind an ihrer Form zu erkennen: eine breite, flach auslaufende Mulde über die volle Breite der Radspur, ohne Aufwölbung daneben. Eine schmale, scharf abgezeichnete Spur mit aufstehenden Rändern deutet dagegen auf Verformung in der Deck- oder Binderschicht hin. Diese Unterscheidung ist für die Maßnahme entscheidend: Ein Deckschichtproblem lässt sich mit Fräsen und einer neuen, verformungsbeständigen Deckschicht beheben, ein Tragschichtproblem nicht. Die Tabelle im nächsten Abschnitt stellt die Arten von Spurrinnen mit ihren Erkennungsmerkmalen nebeneinander.
Arten von Spurrinnen: Verformung, Nachverdichtung, Struktur und Verschleiß
Spurrinne ist nicht gleich Spurrinne. Die Form des Querprofils verrät, in welcher Schicht die Verformung sitzt, und damit, welche Maßnahme hilft. Wer vor einer Sanierung die Richtlatte anlegt und auf Breite, Ränder und Risse achtet, kann die vier Arten oft schon vor Ort eingrenzen; im Zweifel zeigen Bohrkerne, welche Schicht betroffen ist.
| Art | Betroffene Schicht | Erkennungsmerkmal | Typische Ursache | Übliche Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Verformungsspurrinnen (plastisches Fließen) | Deckschicht und Binderschicht | Schmale, scharf begrenzte Rinne mit seitlichen Aufwölbungen | Zu weiches oder zu reichlich dosiertes Bindemittel, schwaches Gesteinsgerüst, Hitze, langsamer Schwerverkehr | Fräsen und neue verformungsbeständige, gegebenenfalls faserbewehrte Deck- oder Binderschicht |
| Nachverdichtungsspurrinnen | Deck- und Binderschicht einer jungen Fahrbahn | Gleichmäßige Einsenkung in den Rollspuren ohne ausgeprägte Aufwölbung, meist in den ersten Jahren nach dem Einbau | Unzureichende Verdichtung oder zu niedrige Einbautemperatur | Beobachten; bei zunehmender Tiefe Fräsen und Neueinbau mit korrekter Verdichtung |
| Strukturelle Spurrinnen | Tragschicht, Frostschutzschicht oder Untergrund | Breite, flach auslaufende Mulde über die ganze Radspur, oft mit Rissen | Zu geringe Tragfähigkeit oder Schichtdicke, nachgebender Untergrund | Teil- oder Vollerneuerung einschließlich Tragschicht |
| Verschleißspurrinnen | Oberfläche der Deckschicht | Abgetragene, raue Rollspuren ohne Aufwölbung | Abrieb, zum Beispiel durch Spikereifen dort, wo diese verbreitet sind | Oberflächenbehandlung, Dünnschicht oder neue Deckschicht |
An stark belasteten Stellen wie Kreisverkehren, Kreuzungen und Busspuren sind Verformungsspurrinnen in Deck- und Binderschicht der typische Fall. Genau dort setzt eine verformungsbeständige oder faserbewehrte neue Deckschicht an.
Fahrbahn-Deckschicht, Binderschicht, Tragschicht: In welcher Schicht entstehen Spurrinnen?
Die Deckschicht ist die oberste, direkt von Verkehr und Witterung beanspruchte Schicht der Fahrbahn; seltener wird sie auch Verschleißschicht genannt. Darunter folgen Binderschicht, Tragschicht und die ungebundenen Schichten. Ein Asphaltoberbau ist typischerweise so aufgebaut (Werte indikativ, je nach Belastungsklasse und Mischgut):
• Deckschicht: übliche Einbaudicke rund 4 cm, je nach Mischgut etwa 2 bis 6 cm; als Faustregel gilt eine Mindesteinbaudicke vom etwa 2,5-Fachen des Größtkorns. Eingesetzt werden Asphaltbeton (AC), Splittmastixasphalt (SMA), Gussasphalt (MA) und offenporiger Asphalt (PA).
• Binderschicht: Sie liegt zwischen Deck- und Tragschicht, überträgt vor allem die Schubkräfte aus dem Verkehr in die unteren Schichten und soll Verformungen verhindern. Die RStO sehen je nach Belastungsklasse rund 4 bis 8 cm vor.
• Asphalttragschicht und ungebundene Schichten: Die Asphalttragschicht und darunter die ungebundenen Schichten wie die Frostschutzschicht verteilen die Last auf den Untergrund.
Für Spurrinnen heißt das: Verformungsspurrinnen sitzen meist in Deck- und Binderschicht, strukturelle Spurrinnen in Tragschicht oder Untergrund. Deshalb setzt Faserbewehrung in der Deckschicht und gegebenenfalls in der Binderschicht an, also dort, wo die bleibende Verformung entsteht.
Wo treten Spurrinnen zuerst auf?
• Kreisverkehre: Die Kombination aus langsam fahrendem Schwerverkehr und schiebenden, walkenden Kräften in der Kurve macht Kreisverkehre zum klassischen Spurrinnen-Standort. Auch Bindemittelanreicherung und Kornausbruch treten hier beschleunigt auf.
• Busspuren und Haltestellenbuchten: Busse sind schwer und fahren nahezu perfekt spurtreu in derselben Spur; an Haltestellen kommen Bremsen und Anfahren auf immer denselben Quadratmetern hinzu. Mehr dazu im Beitrag über Busspuren und Haltestellen in Gemeinden.
• Kreuzungen und Ampeln: Stehender und langsam anfahrender Schwerverkehr belastet die Mischung langanhaltend an einer Stelle, genau das Belastungsbild, das Bitumen am schlechtesten verträgt.
• Steigungsstrecken: Langsam fahrende Lkw belasten die Mischung länger je Überrollung.
• Autobahnen und Landstraßen: Betroffen ist vor allem der rechte Fahrstreifen mit konzentriertem Lkw-Verkehr; auf dem linken Streifen sind Spurrinnen selten.
• Betriebsgelände und Ladezonen: Lange stehende, schwer beladene Achsen bei hohen Sommertemperaturen erzeugen denselben Effekt wie eine Kreuzung, nur täglich. Dasselbe gilt für schwere Baustraßen mit dichtem Lkw-Verkehr.
Betonfahrbahnen zeigen wegen ihrer hohen Steifigkeit kaum Spurrinnen. An Extremstellen kann deshalb auch White Topping mit Faserbeton eine Option sein, also eine Betondecke über dem bestehenden Asphalt.
Wie werden Spurrinnen gemessen? Spurrinnentiefe und Zustandsbewertung
Das Maß ist die Spurrinnentiefe: die Tiefe der Rinne gegenüber dem ursprünglichen Querprofil. Klassisch wird sie mit einer Richtlatte quer über den Fahrstreifen und einem Messkeil oder einer Messuhr im tiefsten Punkt gemessen. Auf Netzebene geschieht das heute im Fahren: Messfahrzeuge mit Laserprofilometern erfassen das Querprofil über ganze Straßenabschnitte und liefern die Spurrinnentiefen abschnittsweise.
In Deutschland bewerten Straßenbaulastträger den Fahrbahnzustand mit dem Verfahren der Zustandserfassung und -bewertung (ZEB). Längs- und Querunebenheiten, zu denen die Spurrinnen zählen, sind dort feste Zustandsmerkmale. Die Messwerte werden in Zustandswerte von 1 (sehr guter Zustand) bis 5 (sehr schlechter Zustand) übersetzt; wichtige Marken sind der Zielwert 1,5, der Warnwert 3,5 und der Schwellenwert 4,5. Ab dem Warnwert wird ein Abschnitt in der Regel genauer beobachtet und eine Maßnahme geplant, ab dem Schwellenwert sind bauliche oder verkehrsbeschränkende Maßnahmen zu prüfen.
In den Niederlanden, wo die unten genannten Referenzprojekte liegen, ist Spurrinnenbildung in der CROW-Systematik (dem niederländischen Regelwerk für die Straßenerhaltung) ebenfalls ein festes Schadensbild. Die gemessene Spurrinnentiefe bestimmt dort zusammen mit Straßentyp und Geschwindigkeitsregime, wann eine Maßnahme nötig ist: Was auf einer 60-km/h-Erschließungsstraße akzeptabel ist, ist auf einer 100-km/h-Straße wegen Aquaplaning ein Sicherheitsrisiko. So fließt die Spurrinnenmessung direkt in den mehrjährigen Erhaltungsplan ein; mehr dazu in unserem Artikel Asphalt-Instandhaltung und Lebensdauer verlängern.
Bevor eine Mischung überhaupt eingebaut wird, lässt sich ihre Verformungsbeständigkeit im Labor prüfen: mit dem Spurbildungsversuch nach DIN EN 12697-22, bei dem ein belastetes Rad wiederholt über einen Asphaltprobekörper rollt und die entstehende Spurrinnentiefe erfasst wird.
Lösungen gegen Spurrinnen
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt von der Ursache und der Schicht ab, in der die Spur sitzt. In der Praxis gibt es drei Wege, von präventiv bis kurativ.
Mischungsentwurf und Bindemittel
Die erste Verteidigungslinie ist ein verformungsbeständiger Mischungsentwurf: ein starkes Gesteinsgerüst (etwa Splittmastixasphalt), gebrochene Gesteinskörnungen und ein Bindemittel, das zur Belastung passt. Dazu gehört eine verformungsbeständige Binderschicht, denn sie trägt einen großen Teil der Schubkräfte aus dem Verkehr ab. In der Deckschicht können helle Gesteinskörnungen die Aufheizung im Sommer begrenzen.
An schwer belasteten Standorten wird traditionell polymermodifiziertes Bitumen (PmB) vorgeschrieben, das auch bei höheren Temperaturen steif und elastisch bleibt. PmB hat jedoch Nachteile: eine höhere Produktionstemperatur, schwierigeres Recycling und eine höhere Umweltwirkung. Die Abwägung ist in unserer Erklärung zu faserbewehrtem Asphalt ausgearbeitet; die direkte Gegenüberstellung finden Sie unter Aramidfasern und PmB im Vergleich.
Faserbewehrung: die Mischung mechanisch an ihrem Platz halten
Faserbewehrung geht Spurrinnenbildung über einen anderen Mechanismus an als PmB: kein zäheres Bindemittel, sondern ein dreidimensionales Netzwerk starker Fasern, das die Belastung jeder passierenden Achse über ein größeres Volumen verteilt und so lokale, bleibende Verformung begrenzt. Die Fasern behalten ihre Festigkeit auch dann, wenn das Bitumen an einem heißen Tag erweicht: Aramidfasern haben einen Schmelzpunkt über 450 °C und eine Zugfestigkeit von 3.000 MPa.
AsphaltX, unsere Fasermischung aus Aramid (Twaron) und Polyolefin, bringt diese Aramidfasern gegen Spurrinnenbildung in die Mischung. Die Dosierung ist auffallend klein: 500 Gramm pro Tonne Asphalt, also circa 0,05 %, ohne Anpassung der Asphaltrezeptur oder der Geräte im Mischwerk. Geeignet ist die Mischung für offenporigen Asphalt, SMA und dichten Asphalt.
Der Nachweis kommt aus der Praxis. In der europäischen FIBRA-Forschung auf der A73 bei Roermond erfüllte die Aramidmischung alle niederländischen Anforderungen bei 15–20 °C niedrigerer Produktionstemperatur als die PmB-Referenz; die vollständigen Ergebnisse stehen in unserem Praxisfall zur A73-Teststrecke. Auf der Landesstraße N337 ergab das Monitoring über 8 km 50 % weniger Spurrinnenbildung und 30 % weniger Rissbildung als auf dem Referenzabschnitt.
Und am spurrinnenanfälligsten Standort überhaupt, einem Kreisverkehr mit schwerem, schiebendem Verkehr, entschied sich Schagen Infra für Faserbewehrung: Bei der Sanierung des Kreisverkehrs N711 in Flevoland wurden 1.585 Tonnen Asphalt mit 400 kg AsphaltX verstärkt. Als zusätzliches Ergebnis stehen ein MKI-Wert von 8,50 € und circa 70 % geringere Umweltwirkung zu Buche. Der MKI ist der niederländische Umweltkostenindikator, der die Umweltwirkung eines Bauwerks in Euro ausdrückt.
Mehr Hintergrund zu Wirkweise, Mischungstypen (offenporiger Asphalt, SMA, dichter Asphalt) und Ausschreibung finden Sie auf unserer Themenseite über faserbewehrten Asphalt.
Spurrinnen beseitigen: Fräsen, Dünnschicht oder Erneuerung
Ist die Spur erst einmal da, ist oberflächliches „Auffüllen“ selten dauerhaft, weil die Ursache meist in der Schicht darunter sitzt. Welche Sanierung passt, richtet sich nach Tiefe und Art der Spurrinnen:
• Leichte Spurrinnen: (Fein-)Fräsen entfernt die Aufwölbungen und stellt eine ebene Oberfläche wieder her. Das ist günstig, verringert aber die Asphaltdicke.
• Profil wiederherstellen: Dünne Schichten im Kalteinbau (DSK) oder im Heißeinbau (DSH) gleichen Unebenheiten im Querprofil aus, damit das Wasser wieder geordnet abfließt.
• Verformung in der Deckschicht: Fräsen und Einbau einer neuen, verformungsbeständigen Deckschicht. Das ist zugleich der natürliche Moment, die neue Schicht faserbewehrt auszuführen, zu begrenzten Mehrkosten innerhalb der ohnehin geplanten großen Instandhaltung.
• Strukturelle Spurrinnen: Sitzt die Verformung tiefer (Tragschicht oder Untergrund), hilft nur eine teilweise oder vollständige Erneuerung des Straßenoberbaus einschließlich der Tragschicht.
Womit Sie bei den Kosten rechnen müssen, zeigt unser Überblick Asphaltpreise pro m² und Mehrpreis der Faserbewehrung.
Spurrinnen bei Ihrem nächsten Projekt vorbeugen
Für Straßenbaulastträger und Bauunternehmen lautet das praktische Fazit: Bekämpfen Sie Spurrinnen in dem Moment, in dem ohnehin eine neue Schicht kommt. Wählen Sie an Risikostandorten (Kreisverkehren, Busspuren, Kreuzungen, Steigungsstrecken, schwer belasteten Fahrstreifen) eine verformungsbeständige Mischung und erwägen Sie Faserbewehrung als recycelbare Alternative oder Ergänzung zu PmB. Die Dosierung von 500 Gramm pro Tonne erfordert keine Anpassung von Rezeptur oder Ausführung, und die Leistung ist auf A73, N337 und N711 in der Praxis nachgewiesen.
Möchten Sie wissen, was Faserbewehrung für Ihren Straßenabschnitt, Kreisverkehr oder Ihr Betriebsgelände bedeutet? Fordern Sie ein Angebot an oder schildern Sie Ihre Situation über Kontakt. Wir beraten Sie zu Mischungstyp, Dosierung und zur Argumentation gegenüber dem Auftraggeber oder im Leistungsverzeichnis.
Häufig gestellte Fragen
- Was sind Spurrinnen?
- Spurrinnen sind bleibende, in Fahrtrichtung verlaufende Vertiefungen in den Rollspuren einer Fahrbahn, also dort, wo die meisten Reifen fahren. Sie entstehen, weil wiederholte Achslasten den Asphalt jedes Mal einen Bruchteil verdrücken und nachverdichten; den Prozess nennt man Spurrinnenbildung. Nach Regen sind Spurrinnen als glänzende Wasserbänder gut sichtbar, und dieses stehende Wasser ist zugleich das größte Sicherheitsrisiko.
- Was sind Spurrillen in der Fahrbahn?
- Spurrille ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Spurrinne. Gemeint sind zwei parallele Rinnen in den Radspuren eines Fahrstreifens, die vor allem auf Straßen mit viel Lkw-Verkehr, an Kreuzungen und in Kreisverkehren entstehen. Bei Regen sammelt sich darin Wasser, was die Aquaplaning-Gefahr erhöht, und beim Spurwechsel können die Rillen spürbar am Lenkrad ziehen.
- Wodurch entstehen Spurrinnen?
- Durch eine Kombination von vier Faktoren: wiederholte Belastung durch Schwerverkehr, vor allem wenn er langsam und spurtreu fährt; Hitze, die das Bitumen erweicht (bei 30 °C Lufttemperatur wird eine Fahrbahn 50–60 °C heiß); eine ungeeignete Mischung oder Einbaufehler wie zu weiches Bindemittel, ein schwaches Gesteinsgerüst oder schlechte Verdichtung; und eine nachgebende Tragschicht oder ein nachgebender Untergrund. An Kreisverkehren, Busspuren und Kreuzungen kommen mehrere Faktoren zusammen, weshalb Spurrinnen dort zuerst auftreten.
- Welche Arten von Spurrinnen gibt es?
- Man unterscheidet vier Arten: Verformungsspurrinnen in Deck- und Binderschicht mit seitlichen Aufwölbungen, Nachverdichtungsspurrinnen in jungen Fahrbahnen nach unzureichender Verdichtung, strukturelle Spurrinnen in Tragschicht oder Untergrund, erkennbar als breite Mulde, und Verschleißspurrinnen durch Abrieb der Oberfläche. Die Form des Querprofils zeigt, welche Schicht betroffen ist, und damit, welche Maßnahme hilft.
- Was ist die Deckschicht einer Fahrbahn?
- Die Deckschicht ist die oberste, direkt von Verkehr und Witterung beanspruchte Asphaltschicht, seltener auch Verschleißschicht genannt. Sie ist üblicherweise rund 4 cm dick, je nach Mischgut etwa 2 bis 6 cm (indikativ), und besteht aus Asphaltbeton, Splittmastixasphalt, Gussasphalt oder offenporigem Asphalt. Darunter liegen Binderschicht und Tragschicht. Verformungsspurrinnen entstehen meist in Deck- und Binderschicht.
- Wie verhalten Sie sich bei Spurrinnen auf der Straße?
- Passen Sie die Geschwindigkeit an, halten Sie mehr Abstand und fahren Sie bei Regen möglichst leicht versetzt neben den Rinnen, ohne abrupt zu lenken oder zu bremsen: In den Spuren stehendes Wasser erhöht die Aquaplaning-Gefahr. Schwimmt das Fahrzeug auf, nehmen Sie den Fuß vom Gas, bremsen nicht und halten die Räder gerade. Für den Straßenbaulastträger sind wiederkehrende Spurrinnen ein Signal, die Spurrinnentiefe zu messen und die Instandhaltung einzuplanen.
- Wie werden Spurrinnen gemessen?
- Über die Spurrinnentiefe: klassisch mit einer Richtlatte quer über den Fahrstreifen und einem Messkeil im tiefsten Punkt, auf Netzebene mit Messfahrzeugen, die das Querprofil per Laserprofilometer erfassen. In Deutschland fließen die Werte in die Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) ein, mit Zustandswerten von 1 bis 5 (Warnwert 3,5, Schwellenwert 4,5); in den Niederlanden gilt die CROW-Systematik. Die Verformungsbeständigkeit einer Mischung wird vorab im Labor mit dem Spurbildungsversuch nach DIN EN 12697-22 geprüft.
- Wie werden Spurrinnen beseitigt?
- Je nach Tiefe und betroffener Schicht. Bei leichten Spurrinnen genügt oft Fräsen, das günstig ist, aber die Schichtdicke verringert. Dünne Schichten im Kalt- oder Heißeinbau gleichen das Querprofil aus. Sitzt die Verformung in der Deckschicht, wird gefräst und eine neue, verformungsbeständige (gegebenenfalls faserbewehrte) Deckschicht eingebaut. Strukturelle Spurrinnen erfordern eine Erneuerung einschließlich Tragschicht. Bloßes Auffüllen hält selten.
- Helfen Fasern gegen Spurrinnen?
- Ja. Fasern verteilen die Belastung des passierenden Verkehrs über ein größeres Volumen der Mischung und behalten ihre Festigkeit, wenn Bitumen bei Hitze erweicht. Die Aramid-Fasermischung AsphaltX wird mit 500 Gramm pro Tonne Asphalt dosiert, ohne Rezepturänderung. Die Wirkung ist in der Praxis nachgewiesen: auf der A73-Teststrecke (FIBRA), am Kreisverkehr N711 in Flevoland und auf der N337, wo das Monitoring 50 % weniger Spurrinnenbildung als auf dem Referenzabschnitt ergab.
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