Aramidfasern vs. PmB: Kosten, Umweltwirkung und Lebensdauer
PmB oder Aramidfasern in Straßenbaubitumen? Auf Basis der FIBRA-Daten von der A73 vergleichen wir Produktionsprozess, Umweltwirkung, Recycling und Kosten.
Asphalt verstärken kann man mit polymermodifiziertem Bitumen (PmB) oder mit Aramidfasern in einem Standard-Straßenbaubitumen. Auf der Straße leisten beide praktisch dasselbe, wie die FIBRA-Forschung auf der A73 zeigt. Der Unterschied liegt im Prozess: Das Aramidmischgut wird etwa 15-20 °C kühler produziert, schneidet beim MKI (Cradle-to-Gate) gut 10% besser ab und ist bei gleicher Lebensdauer kostenneutral.
Was ist PmB (polymermodifiziertes Bitumen)?
Bitumen ist das Bindemittel, das Splitt, Sand und Füller im Asphalt zusammenhält — in der Regel etwa 4 bis 7% des Mischgutgewichts. Standard-Straßenbaubitumen (das flüssige Bitumen, das Asphaltmischwerke einkaufen) wird nach Härte eingeteilt: Ein Bitumen 70/100 ist beispielsweise relativ weich und flexibel, ein 40/60 härter und steifer. Für die meisten Straßen genügt ein solches Penetrationsbitumen völlig.
Bei schwer belasteten oder offenen Deckschichten wird das Bindemittel jedoch selbst zum schwachen Glied. Deshalb wird das Bitumen mit einem Polymer modifiziert, fast immer SBS (Styrol-Butadien-Styrol), in der Größenordnung einiger Prozent des Bindemittelgewichts. Das SBS bildet ein elastisches Netzwerk im Bitumen, das dadurch zäher und elastischer wird: besser beständig gegen Spurrinnenbildung, Rissbildung und Kornausbruch.
Dieser Gewinn hat seinen Preis. PmB ist zähflüssiger als Penetrationsbitumen und erfordert dadurch eine höhere Produktions- und Einbautemperatur, dazu eine separate (beheizte) Lager- und Produktionslinie im Asphaltmischwerk. Und das modifizierte Bindemittel ist pro Tonne deutlich teurer als Standardbitumen. Aramidfasern bieten einen alternativen Weg: Die Fasern überbrücken Rissflächen mechanisch, während das Bindemittel ein Standard-Straßenbaubitumen 70/100 bleiben kann.
Warum verstärken: das Problem offener Deckschichten
Poröser Asphalt (ZOAB/PA) hat von Natur aus eine offene Struktur mit viel Hohlraum — gut für Lärmminderung und Wasserableitung, aber anfällig für Kornausbruch aus dem Gesteinsgerüst. Traditionell wird das mit PmB abgefangen: Das zähere Bindemittel hält die Gesteinskörner länger fest. Bei faserverstärktem Asphalt wird dieselbe Aufgabe mechanisch gelöst: Dünne, hochfeste Fasern verteilen sich im Mischgut und nehmen Zugspannungen auf, sobald irgendwo ein Mikroriss entsteht.
Für Aramidfasern — wie AsphaltX, auf Basis von Twaron-Technologie — ist die Dosierung niedrig: als Anhaltswert etwa 0,05% des Mischgutgewichts, also rund 500 Gramm pro Tonne Asphalt, abhängig von Mischgut und Anwendung. Wie diese mechanische Wirkung genau funktioniert, lesen Sie in unserem Artikel darüber, was faserverstärkter Asphalt ist.
Produktionstemperatur: ein Schritt Richtung Warmmischasphalt
Im Praxis-Testfeld auf der A73 bei Roermond wurde das Referenzmischgut mit PmB (Styrelf 65/105-80 A AP) bei ungefähr 181 °C produziert. Das Aramidfasermischgut (mit Twaron-1080-Faser) wurde bei ungefähr 165 °C produziert — rund 15-20 °C niedriger. Dieser Unterschied übersetzt sich direkt in weniger Energieverbrauch im Asphaltmischwerk und weniger Ausstoß von Dämpfen beim Einbau, was der Gesundheit der Straßenbauer zugutekommt.
Diese niedrigere Temperatur ist kein Zufall, sondern eine Folge des Bindemittels: Penetrationsbitumen ist weniger zähflüssig als PmB und damit bei niedrigerer Temperatur gut mischbar, während die Fasern trocken zugegeben werden und keine Wärme benötigen. Warum das so funktioniert, erklären wir in der Produktionstemperatur von Faserasphalt.
Relevant für die kommenden Jahre: Die Branche bewegt sich Richtung Warmmischasphalt und Niedrigtemperaturasphalt, und die neuen PCR-Rechenregeln geben Warmmischasphalt ausdrücklich einen Platz in der Umweltberechnung. Ein Fasermischgut auf Penetrationsbitumen liegt mit 165 °C bereits näher an dieser Ambition als ein PmB-Mischgut bei 181 °C, und der Faserweg lässt sich zudem mit weiteren temperatursenkenden Maßnahmen kombinieren — die Fasern selbst setzen dort keine Untergrenze.
Mechanische Leistungen: die FIBRA-Zahlen der A73
Aus den Labor- und Feldtests der FIBRA-Ergebnisse von der A73 ergeben sich die folgenden Zahlen für die zwei Varianten (2L-PA 8, Oberschicht), jeweils verglichen als PmB-Referenz gegenüber Aramidfaser (Twaron 1080):
• Produktionstemperatur — PmB-Referenz: ~181 °C; Aramidfaser: ~165 °C.
• ITS trocken — PmB-Referenz: 0,72 MPa; Aramidfaser: 0,578 MPa.
• ITS nass — PmB-Referenz: 0,63 MPa; Aramidfaser: 0,446 MPa.
• ITSR (Wasserempfindlichkeit) — PmB-Referenz: 88%; Aramidfaser: 77%.
• Abriebwiderstand (Woche 3) — PmB-Referenz: 0,517; Aramidfaser: 0,555.
• Lärmpegel (CPX, leichte Fahrzeuge, rechter Fahrstreifen) — PmB-Referenz: 92,8 dB(A); Aramidfaser: 92,5 dB(A).
• Visuelle Inspektion nach 3 Monaten — PmB-Referenz: gut; Aramidfaser: gut.
Kurz zusammengefasst: Die PmB-Variante schneidet im Labor bei Zugfestigkeit und Wasserempfindlichkeit etwas besser ab, aber in den Praxismessungen auf der Straße — Abriebwiderstand, Lärm, Wasserableitung, Längsebenheit — sind beide Varianten nahezu gleichwertig. Alle vier FIBRA-Mischungen, einschließlich der Aramidvariante, erfüllten die niederländischen Anforderungen mit deutlichem Abstand und zeigten nach drei Monaten Verkehrsbelastung keine Schäden.
Lesehilfe zu den Lärmwerten
Die genannten CPX-Werte wurden auf dem rechten Fahrstreifen gemessen, zwölf Wochen nach dem Einbau. Der linke Fahrstreifen lag konsistent etwa 1,2 dB(A) niedriger (um 91,3-91,6 dB(A)), weil der rechte Fahrstreifen durch Schwerverkehr schneller verschleißt — ein Effekt, der unabhängig vom gewählten Verstärkungstyp ist. Der Unterschied zwischen PmB und Aramid ist auf beiden Fahrstreifen vernachlässigbar; mehr dazu in unserem Artikel über faserverstärkten Asphalt und Lärmminderung.
Umweltwirkung: MKI und nachweisbar nachhaltiger Asphalt
Die Lebenszyklusanalyse (LCA) im FIBRA-Projekt zeigt, dass das PmB-Mischgut auf Cradle-to-Gate-Ebene die höchste Umweltbelastung hat, mit einem Unterschied von mehr als 10% beim Umweltkostenindikator (MKI) gegenüber der Aramidvariante. Wird der vollständige Lebenszyklus einbezogen (Cradle-to-Grave, einschließlich Instandhaltung und Lebensende), schrumpfen die Unterschiede auf weniger als 4% — vor allem weil angenommen wird, dass faserverstärkte Mischungen eine etwas längere Lebensdauer haben, was die Produktionswirkung teilweise kompensiert.
Für Auftraggeber, die nachhaltigen Asphalt nicht nur versprechen, sondern auch nachweisen wollen, zählt dieser Unterschied immer stärker: MKI-Werte fließen über DuboCalc und EMVI-Kriterien direkt in Ausschreibungen ein. Seit der PCR Asphalt 2026 werden diese Umweltleistungen zudem einheitlich berechnet, sodass der Vorteil eines Fasermischguts auf Penetrationsbitumen schwarz auf weiß vergleichbar wird. Wer bei diesem Kriterium maximal punkten will, wählt eine Asphaltfaser mit dem niedrigsten CO₂-Fußabdruck in Kombination mit einem Standardbindemittel.
Asphalt recyceln: Warum PmB-Fräsasphalt schwieriger ist
Die Niederlande verwenden Fräsasphalt (RAP) in großem Umfang in neuen Mischungen wieder. Dabei gilt: PmB ist schwieriger zu recyceln als Standardbitumen. Das gealterte SBS-Netzwerk in PmB-Fräsasphalt verhält sich anders als gealtertes Penetrationsbitumen, wodurch die Bindemitteleigenschaften eines neuen Mischguts mit PmB-haltigem Recyclat schwerer vorherzusagen und zu steuern sind. In der Praxis wird solcher Fräsasphalt deshalb oft geringwertiger eingesetzt, beispielsweise in Unterschichten statt erneut in einer hochwertigen Deckschicht.
Ein Aramidmischgut verwendet ein Standard-Straßenbaubitumen, wodurch sich der Fräsasphalt bei der Wiederverwendung wie reguläres RAP verhält. Die Aramidfasern selbst sind dabei kein Hindernis: Aramid ist hitzebeständig bis weit über die gängigen Produktionstemperaturen, und die Dosierung von etwa 500 Gramm pro Tonne ist zu gering, um den Recyclingprozess zu stören. Wer heute eine Deckschicht einbaut, bestimmt damit also auch, wie gut sich dieses Material in 15 Jahren wiederverwenden lässt.
Kosten: Wo steckt der Mehrpreis?
Der Kostenvergleich ist im Kern ein Vergleich zweier Mehrpreise. Bei PmB steckt der Mehrpreis im Bindemittel: Das modifizierte Bitumen ist pro Tonne deutlich teurer als Penetrationsbitumen, und das wirkt in jede Tonne Asphalt durch, weil das Bindemittel 4 bis 7% des Mischguts ausmacht. Dazu kommen die höheren Energiekosten der höheren Produktionstemperatur und die separate PmB-Lagerlinie im Mischwerk.
Bei Aramidfasern steckt der Mehrpreis fast vollständig in der Faser selbst: etwa 500 Gramm pro Tonne Asphalt, ohne Anpassungen an bestehender Produktions- oder Einbautechnik und ohne separaten Arbeitsgang. Der Businesscase des FIBRA-Projekts zeigt, dass der Einsatz von Aramidfasern anstelle von PmB in der niederländischen Situation kostenneutral sein kann, sofern eine vergleichbare Lebensdauer wie beim PmB-Mischgut erreicht wird — und die niedrigere Produktionstemperatur spart darüber hinaus Energie.
Exakte Beträge sind projektabhängig (Anhaltswerte, Preisniveau 2026): Mischguttyp, Tonnage und Transportentfernung bestimmen das Ergebnis. Rechnen Sie deshalb nicht nur mit dem Einbaupreis, sondern mit den Kosten pro m² pro Jahr Lebensdauer — wie Sie die aufbauen, lesen Sie in was faserverstärkter Asphalt pro m² kostet.
Verarbeitbarkeit und Produktion im Mischwerk
Ein praktischer Vorteil, der in den FIBRA-Versuchen immer wieder auffiel: Das Aramidfasermischgut ließ sich leichter von Hand einbauen als das heißere PmB-Mischgut, und es wurden keine Faserklumpen oder andere Produktions- oder Anlagenprobleme beobachtet. Die Produktionsgeschwindigkeit lag allerdings etwas niedriger (etwa 130 t/h gegenüber 145-150 t/h bei PmB), weil die Fasern über vorverpackte Beutel von Hand in den Mischer gegeben werden — ein Schritt, der sich mit einer Dosieranlage gut weiter automatisieren lässt.
Welche Wahl passt zu Ihrem Projekt?
Die wichtigsten Unterschiede zwischen PmB und Aramidfasern im Überblick:
• Mechanische Festigkeit (Labor) — PmB: etwas höher; Aramidfasern: vergleichbar in der Praxis.
• Produktionstemperatur — PmB: ~181 °C; Aramidfasern: ~165 °C (15-20 °C niedriger).
• Umweltwirkung (MKI, Cradle-to-Gate) — PmB: am höchsten; Aramidfasern: gut 10% niedriger.
• Recycelbarkeit des Fräsasphalts — PmB: schwieriger, oft geringwertigere Wiederverwendung; Aramidfasern: wie reguläres RAP.
• Mehrpreis — PmB: im Bindemittel (4-7% des Mischguts); Aramidfasern: in ~500 g Faser pro Tonne.
• Kosten gesamt — PmB: Referenz; Aramidfasern: kostenneutral bei gleicher Lebensdauer.
Für Projekte, in denen Nachhaltigkeit, Energieverbrauch und Recycelbarkeit schwer wiegen — gerade jetzt, wo die PCR Asphalt 2026 Umweltleistungen einheitlich vergleichbar macht — ist eine Aramidfaser anstelle von polymermodifiziertem Bitumen eine realistische und gut begründete Alternative, mit vergleichbaren Praxisleistungen auf der Straße. Geht es um ein Mischgut, bei dem Laborzugfestigkeit und Wasserempfindlichkeit ausschlaggebend sind, bleibt PmB ein logischer Kandidat; lassen Sie die Abwägung in dem Fall je Mischgutentwurf durchrechnen.
Möchten Sie wissen, was Aramidfasern für Ihr spezifisches Asphaltmischgut und Ihren Projektstandort bedeuten? Dutch Fiber Trading berät und rechnet kostenlos mit.
Quellen
• CEDR-FIBRA-Projekt, Deliverable 5.1 "Scaling up of the production process and implementation of test sections" und Deliverable 6.2 "Exploitation Strategy Plan", 2021.
• Dutch Fiber Trading (dutchfibertrading.com).
Häufig gestellte Fragen
- Was ist PmB-Bitumen?
- PmB (polymermodifiziertes Bitumen) ist Standardbitumen, dem einige Prozent Polymer zugesetzt sind, fast immer SBS. Das Polymer bildet ein elastisches Netzwerk, das das Bindemittel zäher macht und beständiger gegen Spurrinnenbildung und Kornausbruch. Die Kehrseite: PmB ist zähflüssiger, erfordert eine höhere Produktionstemperatur (Richtung 181 °C), eine separate Lagerlinie im Asphaltmischwerk und ist pro Tonne teurer als Straßenbaubitumen wie ein Bitumen 70/100.
- Ist Asphalt mit Aramidfasern genauso fest wie Asphalt mit PmB?
- Im Labor schneidet PmB bei Zugfestigkeit (ITS 0,72 gegenüber 0,578 MPa trocken) und Wasserempfindlichkeit etwas besser ab. In den Praxismessungen auf der A73 — Abriebwiderstand, Lärm, Wasserableitung, Ebenheit — leisten beide Varianten nahezu dasselbe und erfüllten die niederländischen Anforderungen mit deutlichem Abstand. Siehe die FIBRA-Ergebnisse von der A73 für alle Messwerte.
- Warum ist Asphalt mit PmB schwieriger zu recyceln?
- Das gealterte SBS-Netzwerk in PmB-Fräsasphalt verhält sich anders als gealtertes Standardbitumen, wodurch sich die Eigenschaften eines neuen Mischguts mit diesem Recyclat schwerer steuern lassen. PmB-haltiger Fräsasphalt wird deshalb oft geringwertiger wiederverwendet, beispielsweise in Unterschichten. Ein Aramidmischgut auf Straßenbaubitumen verhält sich bei der Wiederverwendung wie regulärer Fräsasphalt; die Faserdosierung von etwa 500 Gramm pro Tonne stört den Recyclingprozess nicht.
- Ist faserverstärkter Asphalt teurer als Asphalt mit PmB?
- Der FIBRA-Businesscase zeigt, dass Aramidfasern anstelle von PmB in der niederländischen Situation kostenneutral sein können, sofern eine vergleichbare Lebensdauer erreicht wird. Der Mehrpreis der Faser (etwa 500 Gramm pro Tonne Asphalt) hebt sich gegen das teurere PmB-Bindemittel, die höhere Produktionstemperatur und die separate Lagerlinie auf. Exakte Beträge sind projektabhängig; fordern Sie ein Angebot an für Ihr Mischgut und Ihre Tonnage.
- Kann faserverstärkter Asphalt bei niedrigerer Temperatur produziert werden?
- Ja. Auf der A73 wurde das Aramidmischgut bei etwa 165 °C produziert gegenüber 181 °C für die PmB-Referenz — 15-20 °C niedriger, weil Penetrationsbitumen weniger zähflüssig ist als PmB. Das spart Energie und begrenzt Dämpfe beim Einbau. Der Faserweg lässt sich zudem mit Warmmischasphalt-Techniken für eine weitere Temperatursenkung kombinieren; die Fasern selbst setzen dort keine Untergrenze.
Genannte Produkte

AsphaltX®
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- TypFasermischung Aramid (Twaron®) + Polyolefin
- Länge± 19 mm
- ZugfestigkeitTwaron 3000 MPa · Polyolefin 483 MPa
- Spezifisches GewichtTwaron 1,45 · Polyolefin 0,91 g/cm³