EMVI-Ausschreibung: Bedeutung, Kriterien und Punkten mit Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, Normen und Innovation31. Juli 20268 Min. LesezeitPortretfoto van Sjors BeemsterboerVerfasst von Sjors Beemsterboer
Besprechung einer EMVI-Ausschreibung an einem Konferenztisch mit Bauplänen, Vergabeunterlagen und einem Bauhelm

EMVI entscheidet, wer öffentliche Bauaufträge gewinnt: nicht der niedrigste Preis, sondern das beste Preis-Qualitäts-Verhältnis. So funktioniert der fiktive Abschlag — und so punkten Sie bei den Nachhaltigkeitskriterien.

EMVI steht für Economisch Meest Voordelige Inschrijving — das wirtschaftlich vorteilhafteste Angebot: Der Zuschlag geht an die beste Kombination aus Preis und Qualität statt nur an den niedrigsten Preis. Die gängige Variante heißt seit dem niederländischen Vergabegesetz 2016 formell BPKV. Qualität wird als fiktiver Abschlag auf den Angebotspreis verrechnet — allein eine Stufe auf der CO₂-Leistungsleiter kann bis zu circa 10 % Zuschlagsvorteil bringen.

Was bedeutet EMVI?

EMVI ist die Abkürzung für Economisch Meest Voordelige Inschrijving (wirtschaftlich vorteilhaftestes Angebot). Es ist die Zuschlagssystematik, bei der ein öffentlicher Auftraggeber — Rijkswaterstaat, eine Provinz, ein Wasserverband oder eine Gemeinde — nicht einfach den günstigsten Bieter wählt, sondern das Angebot mit dem besten Verhältnis von Preis und Qualität. Qualitätskriterien wie Nachhaltigkeit, Lebensdauer, Minimierung von Beeinträchtigungen und Risikomanagement erhalten eine vorab bekanntgegebene Gewichtung und fließen in die Zuschlagsentscheidung ein.

Die Systematik ist die Antwort auf ein altes Problem im Bauwesen: Wer nur nach dem niedrigsten Preis vergibt, belohnt scharfes Kalkulieren und bekommt die Qualität, die dazu gehört. Das niederländische Vergabegesetz von 2012 machte die Vergabe nach EMVI deshalb zum gesetzlichen Grundsatz — die Vergabe nach niedrigstem Preis ist nur noch mit Begründung zulässig („comply or explain“). Für den Tief- und Straßenbau bedeutet das: Praktisch jedes substanzielle Bauvorhaben wird heute nach Preis und Qualität bewertet. Dieser Artikel ist der Ausgangspunkt unseres Ausschreibungsclusters innerhalb der Pillar-Seite Nachhaltigkeit, Normen und Innovation.

EMVI oder BPKV: Wie verhält es sich mit den Begriffen?

Bei der Überarbeitung des niederländischen Vergabegesetzes 2016 (Umsetzung der europäischen Vergaberichtlinie) hat sich die Terminologie verschoben. EMVI ist seitdem der Oberbegriff für drei Zuschlagskriterien: das beste Preis-Qualitäts-Verhältnis (BPKV), die niedrigsten Kosten auf Basis der Kosteneffektivität (etwa Lebenszykluskosten) und den niedrigsten Preis. Was vor 2016 „EMVI“ hieß, heißt formell also BPKV.

In der täglichen Praxis des Tief- und Straßenbaus werden EMVI und BPKV synonym für dasselbe Prinzip verwendet: Qualität über einen fiktiven Abschlag auf die Angebotssumme einzupreisen. In Leistungsverzeichnissen, Vergabeportalen und Gesprächen mit Auftraggebern begegnen Ihnen beide Begriffe; inhaltlich gibt es keinen Unterschied. In diesem Artikel verwenden wir den eingebürgerten Begriff EMVI.

So funktioniert eine EMVI-Ausschreibung

Eine EMVI-Ausschreibung verläuft in groben Zügen so: Der Auftraggeber veröffentlicht die Ausschreibung mit den Zuschlagskriterien und ihrer Gewichtung, die Bieter reichen neben ihrem Preis ein Qualitätsdokument ein (den EMVI-Plan), eine Bewertungskommission benotet diesen Plan je Kriterium — meist mit Schulnoten nach einem vorab beschriebenen Bewertungsrahmen — und die Bewertungen werden in einen Geldwert umgerechnet.

Diese Umrechnung ist der Kern der Systematik: Der Qualitätswert wird als fiktiver Abschlag vom Angebotspreis abgezogen. Den Zuschlag erhält der niedrigste Bewertungspreis — Angebotspreis minus fiktiver Abschlag —, während der Gewinner ganz normal seinen tatsächlichen Angebotspreis abrechnet. Qualität wird so buchstäblich zu Geld, ohne dass der Auftraggeber mehr zahlt als den angebotenen Preis. Diese Methodik ist im Tief- und Straßenbau auch als „gunnen op waarde“ (Vergabe nach Wert) bekannt, nach der gleichnamigen CROW-Publikation.

Rechenbeispiel: fiktiver Abschlag und Bewertungspreis

Ein fiktives, aber repräsentatives Beispiel einer EMVI-Vergabe mit zwei Bietern für einen provinzialen Asphaltauftrag:

• Bieter A — Angebotspreis € 1.000.000; starke Qualitätsbewertung (niedriger MKI, Leiterstufe 5, durchdachtes Umfeldkonzept) im Wert von € 120.000 fiktivem Abschlag; Bewertungspreis € 880.000.

• Bieter B — Angebotspreis € 950.000; durchschnittliche Qualitätsbewertung im Wert von € 40.000 fiktivem Abschlag; Bewertungspreis € 910.000.

• Ergebnis — Bieter A gewinnt trotz eines um € 50.000 höheren Preises: Der Qualitätsunterschied von € 80.000 gibt den Ausschlag.

Der EMVI-Score ist also keine für sich stehende Note, sondern ein Betrag, der direkt mit dem Preis konkurriert. Je stärker Qualität in der Ausschreibung gewichtet ist — 20 bis 50 % des fiktiven Wertes sind im Tief- und Straßenbau üblich —, desto eher kann ein guter Plan einen Preisunterschied überbrücken.

Gängige EMVI-Kriterien für Nachhaltigkeit

Die Zuschlagskriterien unterscheiden sich je Ausschreibung, aber in Infrastruktur-Ausschreibungen hat sich ein fester Kern von EMVI-Kriterien rund um Nachhaltigkeit herauskristallisiert:

MKI-Wert mit Obergrenze — der Bieter berechnet den Umweltkostenindikator (MKI) seines Entwurfs in DuboCalc; je weiter unter dem Referenzwert, desto größer der fiktive Abschlag. Wie diese Berechnung funktioniert, lesen Sie in MKI und DuboCalc erklärt.

Stufe auf der CO₂-Leistungsleiter — ein fester Abschlagsprozentsatz je Zertifizierungsniveau, ansteigend bis circa 10 % auf Stufe 5. Siehe die CO₂-Leistungsleiter und Faserverstärkung.

Lebensdauer und Wartungsarmut — längere Garantie- oder Entwurfslebensdauer und weniger Wartungseinsätze über die Vertragslaufzeit.

Zirkularität — Anteil wiederverwendeten Materials (Asphaltgranulat, Betongranulat) und Recycelbarkeit am Ende der Lebensdauer.

Umfeldmanagement und Minimierung von Beeinträchtigungen — kürzere Sperrungen, Bauphasenplan, Kommunikation mit Anwohnern und Betrieben.

Risikomanagement — ein Risikodossier mit Steuerungsmaßnahmen für die spezifischen Projektrisiken.

Bei den Nachhaltigkeitskriterien gilt ein roter Faden: Der Auftraggeber will keine Ambitionen, sondern verifizierbare Zahlen. Genau deshalb zahlen sich Materialentscheidungen aus, die mit EPDs, Zertifikaten und unabhängiger Forschung belegt sind.

So punkten Sie als Bauunternehmen mit Faserverstärkung

Für bietende Bauunternehmen ist die Faserverstärkung von Beton und Asphalt eine der wenigen Maßnahmen, die bei mehreren EMVI-Kriterien gleichzeitig Punkte bringt — mit Zahlen, die eine Bewertungskommission überprüfen kann.

In Beton ersetzt eine konstruktive Makrofaser die traditionelle Stahlbewehrung ganz oder teilweise. Auf der NDSM-Werft in Amsterdam brachte dieser Umstieg 98 % CO₂-Reduktion bei der Bewehrung — eine Aussage, die Sie mit einer NMD-konformen Berechnung in DuboCalc belegen können, weil eine Faser wie TwistR® in Kilogramm pro m³ rechnet, wo Stahl in Dutzenden Kilogramm liegt. Beachten Sie: Bei konstruktiven Bauteilen gehört immer eine Berechnung durch den Tragwerksplaner dazu; Fasern ersetzen die Bewehrung nicht in jeder Anwendung vollständig.

In Asphalt greift eine Aramidfaser als differenzierendes EMVI-Kriterium bei drei Kriterien gleichzeitig. Die Dosierung ist bescheiden — indikativ circa 0,05 %, also etwa 500 Gramm pro Tonne, abhängig von Mischung und Anwendung —, aber der Effekt ist dokumentiert: Im europäischen FIBRA-Programm (Versuchsstrecke A73) wies die Aramidvariante mit Standard-Straßenbaubitumen einen gut 10 % niedrigeren MKI auf als die PmB-Referenzmischung, unter anderem dank der circa 15–20 °C niedrigeren Produktionstemperatur. Auf der Provinzstraße N337 brachte die Faserverstärkung 50 % weniger Spurrinnenbildung und eine circa 30 % längere erwartete Lebensdauer — direkter Gewinn beim Lebensdauerkriterium.

Wie Sie diese Zahlen in ein gewinnendes Qualitätsdokument übersetzen — inklusive eines Beispielfragments für Ihren EMVI-Plan — steht im Artikel über Faserverstärkung für Bauunternehmen und den EMVI-Plan. Kernbotschaft: Schreiben Sie projektspezifische, verifizierbare Zusagen, keine Branchendurchschnitte — und versprechen Sie nichts, was Sie in der Ausführung nicht halten, denn auf nicht eingehaltene EMVI-Zusagen steht in der Regel eine Vertragsstrafe.

Für Auftraggeber: EMVI-Kriterien formulieren

Auf der anderen Seite des Tisches bestimmt die Qualität der Kriterien die Qualität der Angebote. Drei Grundsätze haben sich im Tief- und Straßenbau bewährt:

Funktional spezifizieren — fragen Sie Leistungen ab (Lebensdauer, MKI-Obergrenze, Spurrinnenwiderstand), keine Markennamen oder Rezepturen. So bleibt die Ausschreibung offen für Innovation, und Sie vermeiden, de facto einen einzelnen Lieferanten vorzuschreiben.

Kriterien messbar machen — ein Kriterium, das die Bewertungskommission nicht objektiv prüfen kann, führt zu Diskussionen und Klagerisiko. Koppeln Sie jedes Kriterium an eine Rechenmethode (DuboCalc), ein Zertifikat (Leiterstufe) oder eine messbare Leistungsanforderung.

Verifikation vorab ankündigen — machen Sie in der Ausschreibung transparent, wie Zusagen nach dem Zuschlag kontrolliert werden und welche Sanktion auf Abweichungen steht.

Wie Provinzen das konkret umsetzen — inklusive eines Beispielaufbaus von Zuschlagskriterien für einen Asphaltauftrag — lesen Sie in so schreiben Provinzen nachhaltige Straßen aus. Eine praktische Checkliste mit Beispiel-Leistungstext und einem ausgearbeiteten EMVI-Zuschlagskriterium steht in faserverstärkten Asphalt ausschreiben: worauf achten.

EMVI-Leistungsmessung: die Zusage nach dem Zuschlag einhalten

Eine EMVI-Zusage ist erst dann etwas wert, wenn sie eingehalten wird. Deshalb gehört zur qualitativen Vergabe die EMVI-Leistungsmessung: Der Auftraggeber prüft während der Ausführung periodisch, ob die zugesagte Qualität tatsächlich geliefert wird — MKI-Verifikation an gelieferten Mischungen, Kontrolle der Produktionstemperaturen, Zustandsmessungen am realisierten Bauwerk. Bleibt die Leistung zurück, folgt ein vorab angekündigter Abzug, meist gekoppelt an (einen Teil) des fiktiven EMVI-Vorteils aus dem Angebot. Für Bieter ist das keine Bedrohung, sondern ein Filter: Wer Zusagen auf dokumentierte Praxisergebnisse statt auf Papierversprechen stützt, hat von der Leistungsmessung nichts zu befürchten.

Vom Angebot zum Zuschlagsvorteil

EMVI belohnt, wer Qualität beweisen kann. Für Bauunternehmen heißt das: Bauen Sie ein Dossier wiederverwendbarer, verifizierter Nachweise auf — EPDs der eingesetzten Materialien, projektspezifische CO₂- und MKI-Berechnungen, dokumentierte Praxisergebnisse — und setzen Sie dieses Dossier bei jedem Angebot erneut ein. Faserverstärkung liefert dafür einige der härtesten Zahlen der Branche: bis zu 98 % CO₂-Reduktion bei der Bewehrung in Beton und gut 10 % MKI-Gewinn in Asphalt.

Bieten Sie demnächst auf eine EMVI-Ausschreibung? Fordern Sie ein Angebot mit EPD- und Dosierungsdokumentation an — dann haben Sie die Umweltdaten für Ihre DuboCalc-Berechnung und Ihr Qualitätsdokument direkt zur Hand.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet EMVI?
EMVI steht für Economisch Meest Voordelige Inschrijving — das wirtschaftlich vorteilhafteste Angebot: Vergabe nach der besten Kombination aus Preis und Qualität statt nur nach dem niedrigsten Preis. Qualitätskriterien wie Nachhaltigkeit, Lebensdauer und Minimierung von Beeinträchtigungen werden von einer Bewertungskommission benotet und in einen fiktiven Abschlag auf den Angebotspreis umgerechnet. Das Angebot mit dem niedrigsten Bewertungspreis — Preis minus Abschlag — gewinnt die Ausschreibung.
Was ist der Unterschied zwischen EMVI und BPKV?
Seit der Überarbeitung des niederländischen Vergabegesetzes 2016 ist EMVI der Oberbegriff für drei Zuschlagskriterien: bestes Preis-Qualitäts-Verhältnis (BPKV), niedrigste Kosten auf Basis der Kosteneffektivität und niedrigster Preis. BPKV ist die formelle Bezeichnung für das, was früher EMVI hieß: Vergabe nach Preis und Qualität. In der Praxis des Tief- und Straßenbaus werden beide Begriffe synonym für dasselbe Prinzip verwendet.
Wie wird ein EMVI-Score berechnet?
Eine Bewertungskommission benotet das Qualitätsdokument je Zuschlagskriterium, meist mit Schulnoten nach einem vorab veröffentlichten Bewertungsrahmen. Diese Bewertungen werden in einen Geldbetrag umgerechnet: den fiktiven Abschlag. Der Zuschlag geht an den Bewertungspreis — Angebotspreis minus fiktiver Abschlag —, während der Gewinner seinen tatsächlichen Preis abrechnet. Objektive Kriterien wie eine MKI-Berechnung in DuboCalc werden direkt durchgerechnet.
Was steht in einem EMVI-Plan?
Ein EMVI-Plan ist das Qualitätsdokument zum Angebot: Je Zuschlagskriterium beschreibt das Bauunternehmen konkret und verifizierbar, was es zusagt — zum Beispiel einen MKI-Wert, eine CO₂-Reduktion bei der Bewehrung oder eine beeinträchtigungsarme Bauphasenplanung — inklusive Nachweisführung und Verifikationsmomenten. Ein Beispielfragment und Schreibtipps finden Sie in unserem Artikel für Bauunternehmen.
Ist die Vergabe nach EMVI verpflichtend?
Das niederländische Vergabegesetz macht die Vergabe nach dem besten Preis-Qualitäts-Verhältnis zum Grundsatz: Öffentliche Auftraggeber dürfen nur mit Begründung abweichen und nach niedrigstem Preis vergeben („comply or explain“). In der Praxis des Tief- und Straßenbaus wird dadurch der Großteil der substanziellen Bauvorhaben nach EMVI/BPKV vergeben, fast immer mit Nachhaltigkeitskriterien wie einer MKI-Obergrenze oder einer Stufe auf der CO₂-Leistungsleiter.
Wie zählt Nachhaltigkeit in einer EMVI-Ausschreibung?
Über messbare Kriterien: eine MKI-Obergrenze mit DuboCalc-Berechnung, ein fester Abschlagsprozentsatz je Stufe auf der CO₂-Leistungsleiter (bis circa 10 % auf Stufe 5), Lebensdauer- und Zirkularitätsanforderungen. Materialentscheidungen mit verifizierten Umweltdaten punkten direkt: Faserbewehrung brachte in einem dokumentierten Fall 98 % CO₂-Reduktion bei der Bewehrung und gut 10 % MKI-Gewinn in Asphalt.

Genannte Produkte

AsphaltX® — Asphaltfasern
AramidAsphalt

AsphaltX®

2000 Filamente pro Aramidstrang — 45% mehr als bei Wettbewerbern. Niedrigster CO₂-Fußabdruck, europäische Produktion, bewährt auf der N337.

  • TypFasermischung Aramid (Twaron®) + Polyolefin
  • Länge± 19 mm
  • ZugfestigkeitTwaron 3000 MPa · Polyolefin 483 MPa
  • Spezifisches GewichtTwaron 1,45 · Polyolefin 0,91 g/cm³
TwistR® GREEN HYBRID — BetonfasernMeistgewählt
KunststoffKonstruktiv

TwistR® GREEN HYBRID

Hochwertige Kunststoff-Makrofasern aus 100% Polypropylen. Verwandelt Beton in einen stärkeren Verbundwerkstoff.

  • TypHybrid: gedrehtes Monofilament + fibrillierende Netzwerkfaser
  • Material100% Neu-Polypropylen
  • Länge48 mm
  • Dosierung2,0 – 6,0 kg/m³
€ 7,43/ kgMehr Informationen

Palettenpreis auf Anfrage

Fragen zu Ihrem Projekt?

Unsere technischen Berater denken gerne mit Ihnen mit.

Kontakt aufnehmen