Asphalt-Temperatur: Produktion, Einbau, Außentemperatur und Faservorteil

Faserbewehrter Asphalt16. Juli 202615 Min. LesezeitPortretfoto van Niels HilverinkVerfasst von Niels Hilverink

Von 150-190 °C im Mischwerk bis zum Verdichtungsende bei rund 90 °C: alle Asphalttemperaturen im Überblick, welche Außentemperatur beim Einbau gilt und warum Faserasphalt 15-20 °C kühler produziert werden kann.

Asphalt wird bei etwa 150-190 °C hergestellt (temperaturabgesenkt rund 110-140 °C), kommt mit etwa 130-160 °C hinter den Fertiger und muss verdichtet sein, bevor er auf rund 90-100 °C abkühlt. Wie schnell das geht, bestimmt die Außentemperatur: Dünne Deckschichten werden in der Regel erst ab etwa 5 °C Luft- und Unterlagentemperatur eingebaut, dicke Tragschichten auch knapp unter 0 °C.

Faserverstärkter Asphalt mit Straßenbaubitumen lässt sich bei 159-165 °C produzieren und damit 15-20 °C kühler als Asphalt mit PmB (etwa 181 °C).

Welche Temperatur hat Asphalt bei Produktion und Einbau?

Vom Mischwerk bis zur Verkehrsfreigabe durchläuft Asphalt eine Reihe von Temperaturfenstern. Die wichtigsten Werte im Überblick (Anhaltswerte; das exakte Fenster hängt von Mischguttyp und Bindemittel ab):

Asphalt-Temperatur von der Herstellung bis zur Verkehrsfreigabe (Richtwerte)
PhaseTemperatur (Richtwert)Hinweis
Herstellung Walzasphalt (Heißmischgut)ca. 150-190 °CStraßenbaubitumen am unteren, PmB am oberen Ende
Herstellung temperaturabgesenkter Asphaltca. 110-140 °Cmindestens 20 °C unter Heißmischgut; Schaumbitumen oder viskositätsverändernde Zusätze
Mischgut hinter dem Fertiger (Einbautemperatur)ca. 130-160 °CBeginn des Walzens; dünne Schichten brauchen die höheren Werte
Gussasphaltca. 200-230 °Chöchstens 230 °C; wird nicht walzverdichtet, sondern verteilt und abgestreut
Ende der Verdichtung (dichte Walzasphalte)ca. 90-100 °Cdarunter schließt das Mischgut nicht mehr
Verkehrsfreigabeunter ca. 50 °C in der Schichtje nach Schichtdicke und Wetter nach einigen Stunden
Erweichungspunkt Straßenbaubitumen (Ring und Kugel)ca. 45-55 °Cdeshalb wird eine Fahrbahn bei Sommerhitze weich

Frischer Asphalt ist beim Einbau also noch rund 130-160 °C heiß, Gussasphalt sogar über 200 °C. Umgangssprachlich ist oft von Teer die Rede, im Straßenbau wird aber seit Jahrzehnten Bitumen statt Teer verwendet.

Wie hoch die Temperatur an der Einbaubohle mindestens sein muss, hängt von der Bitumensorte und der Schichtdicke ab. Härtere und polymermodifizierte Bitumen brauchen mehr Wärme als weiche Straßenbaubitumen wie 70/100, und dünne Schichten kühlen schneller aus als dicke.

Jedes Glied in der Kette (Transport, Einbau, Walzen) zehrt von der Wärme, die das Asphaltmischwerk in das Mischgut gesteckt hat. Die Einbautemperatur von Asphalt ist damit keine isolierte Größe, sondern der Rest der Produktionstemperatur abzüglich des Abkühlverlusts unterwegs.

Warum ist die Temperatur für Asphalt so entscheidend?

Bitumen ist ein viskoelastisches Material: je wärmer, desto dünnflüssiger. Bei Produktionstemperatur verhält es sich wie eine Flüssigkeit, die jedes Gesteinskorn umhüllt; bei Außentemperatur ist es ein zäher Kleber, der die Gesteinskörnung an ihrem Platz hält. Alles, was zwischen Mischer und Walze geschieht (Mischen, Fördern, Einbauen, Verdichten), setzt voraus, dass das Bindemittel ausreichend fließfähig ist. Sinkt die Temperatur zu weit, wird das Mischgut steif, lässt sich nicht mehr verdichten, und es entsteht eine Schicht mit zu viel Hohlraum, die beschleunigt Kornausbruch zeigt und reißt.

Eine häufige Frage ist, was der Schmelzpunkt von Asphalt ist. Streng genommen hat Asphalt keinen Schmelzpunkt: Bitumen kennt keinen scharfen Übergang von fest zu flüssig, sondern wird allmählich weicher. Als Referenz dient der Erweichungspunkt des Bindemittels (Ring-und-Kugel-Methode), der für gängiges Straßenbaubitumen bei etwa 45-55 °C liegt. Deshalb kann eine Fahrbahndecke während einer Hitzewelle, wenn die Oberfläche über 50 °C kommt, weich und anfällig für Spurrinnenbildung werden, während sie erst bei Produktionstemperaturen wirklich verarbeitbar ist.

Außentemperatur beim Asphalteinbau: Welche Werte gelten?

Die Außentemperatur entscheidet beim Asphalteinbau vor allem darüber, wie schnell das Mischgut abkühlt und wie viel Zeit zum Verdichten bleibt. Maßgebend ist dabei nicht die Lufttemperatur allein, sondern das Zusammenspiel von Lufttemperatur, Temperatur der Unterlage, Wind, Schichtdicke und Transportzeit.

Genau mit diesen Eingaben arbeitet auch das Berechnungs-Tool des Deutschen Asphaltverbands (DAV) für den verfügbaren Verdichtungszeitraum: Mischguttemperatur, Schichtdicke, Luft- und Unterlagentemperatur sowie Windgeschwindigkeit. Als Verdichtungsende setzt das Tool 90 °C an; ab etwa 20 °C Lufttemperatur geht es von reichlich Verdichtungszeit aus. Die folgende Tabelle ordnet die Außentemperatur den üblichen Folgen für den Einbau zu.

Außentemperatur und Asphalteinbau: Praxiswerte (indikativ)
Außentemperatur (Luft)Folge für den EinbauÜbliche Praxis
über 20 °Creichlich Zeit zum Verdichtenbei temperaturabgesenktem Asphalt Absenkung um etwa 15-30 °C möglich (Erfahrungswert)
10 bis 20 °Cnormale Einbaubedingungen, Wind beachtenbei temperaturabgesenktem Asphalt Absenkung um etwa 15-25 °C möglich
5 bis 10 °CVerdichtungsfenster schrumpft, vor allem bei dünnen DeckschichtenTemperatur kaum oder nicht absenken (bei starkem Wind gar nicht); isolierte Mulden, direkt walzen
0 bis 5 °Cdünne Deckschichten und offenporiger Asphalt kritischDeckschichten in der Regel verschieben; dickere Schichten nur mit Maßnahmen
unter 0 °C (bis ca. -3 °C)nur dicke Trag- und UnterbauschichtenUnterlage darf nicht gefroren sein; kein Einbau auf Eis oder Schnee

Alle Werte sind Richtwerte; maßgeblich ist das Regelwerk im Bauvertrag: in Deutschland die ZTV Asphalt-StB, in Österreich die RVS, in der Schweiz die kantonalen Vorgaben. Die Absenkungswerte gelten für temperaturabgesenkten Asphalt mit Zusätzen oder Schaumbitumen und stammen aus dem Leitfaden „Temperaturabgesenkte Asphalte“ von DAV und BG BAU (2009).

Wie viel Wärme unterwegs verloren geht und was das für die Mischguttemperatur bedeutet, zeigen zwei Untersuchungen. Eine österreichische Baustellenstudie (Fliegl, 2015, zu Einbautemperaturen gemäß RVS 08.16.01) maß bei 2-6 °C Lufttemperatur und rund 100 Minuten Transport in der Randzone nicht isolierter Kippmulden einen Temperaturabfall von 15-30 °C, in thermisch isolierten Mulden etwa 10-15 °C. Ein Forschungsvorhaben im Auftrag des Deutschen Asphaltinstituts (IFTA Essen, 2000-2004) ergab für temperaturabgesenktes Walzasphaltmischgut, das bei günstigem Wetter mit rund 130 °C ab Mischer einbaubar war, dass die Mischguttemperatur bei schlechtem Wetter (Wind, Regen, Temperaturen unter 10 °C) um etwa 10 °C höher liegen sollte, bei mehreren ungünstigen Faktoren um bis zu 20 °C.

Was ist die Mindesttemperatur zum Asphaltieren?

Eine einheitliche Mindesttemperatur gibt es nicht; als Faustregel gelten für Deckschichten etwa 5 °C Luft- und Unterlagentemperatur, wobei dünne Schichten und offenporiger Asphalt am empfindlichsten sind und nie bei Frost eingebaut werden, während dicke Tragschichten in der Praxis bis etwa -3 °C eingebaut werden. Dicke Unter- und Zwischenschichten sind weniger empfindlich, weil sie ihre Wärme länger halten. Eine dünne Deckschicht von 25-30 mm verliert bei Kälte und Wind dagegen so schnell Wärme, dass das Verdichtungsfenster auf wenige Minuten schrumpft. Wind ist dabei oft ein größerer Feind als das Thermometer: Starker Wind bei 5 °C kühlt eine Deckschicht schneller ab als Windstille bei 0 °C.

Die Regelwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehen unterschiedlich damit um. In Deutschland schreibt die ZTV Asphalt-StB vor, dass Luft- und Unterlagentemperatur im Rahmen der Eigenüberwachung festgehalten werden. In Österreich gelten Mindesteinbautemperaturen nach RVS 08.16.01, gemessen am Lieferfahrzeug. In der Schweiz legen die Kantone die Grenzen fest; das Tiefbauamt Graubünden etwa lässt (Stand 2026) Deckschichten nur bei einer Unterlagentemperatur ab +15 °C und im Normalfall zwischen Mitte Mai und Mitte September zu, Binder- und Tragschichten bis 60 mm ab +10 °C Unterlagentemperatur und dickere Schichten ab +5 °C Lufttemperatur.

Asphaltieren bei Frost und im Winter

Bei Frost werden Deckschichten grundsätzlich nicht eingebaut; dicke Tragschichten sind bis knapp unter 0 °C möglich, solange die Unterlage nicht gefroren ist. Der Frost hält sich in der Unterlage länger als in der Luft, sodass auch nach einem milderen Tag nicht sofort asphaltiert werden kann. Auf einer gefrorenen oder verschneiten Unterlage haftet das Mischgut nicht und lässt sich nicht ausreichend verdichten.

Muss im Winter dennoch eingebaut werden, sind diese Maßnahmen üblich:

• Die Mischguttemperatur nicht absenken.

• Thermisch isolierte Transportmulden und kurze Transportwege einplanen.

• Dickere Schichten wählen, die ihre Wärme länger halten.

• Direkt hinter dem Fertiger walzen und in den wärmsten Stunden des Tages arbeiten.

• Die Deckschicht gegebenenfalls als provisorische Lage einbauen und im Frühjahr endgültig herstellen.

Eine bei Kälte schlecht verdichtete Schicht behält zu viel Hohlraum, in den Wasser eindringt. Genau daraus entstehen später Frostschäden, die die Lebensdauer der Fahrbahn verkürzen.

Asphaltieren bei Regen?

Leichter Nieselregen auf einer warmen Unterlage ist in der Regel beherrschbar; bei einem geschlossenen Wasserfilm oder starkem Regen wird dagegen nicht eingebaut, wie es etwa die Vorgaben des Tiefbauamts Graubünden festhalten. Regen kühlt das Mischgut zusätzlich ab, verkürzt das Verdichtungsfenster und verschlechtert den Verbund mit der Unterlage. Außerdem muss der Haftkleber (Bitumenemulsion) gebrochen sein, bevor darauf eingebaut wird. Die genauen Grenzen legt das Regelwerk im Bauvertrag fest.

Außentemperatur im Sommer: Einbau bei Hitze

Beim Einbau hilft eine hohe Außentemperatur: Das Mischgut kühlt langsamer ab, und das DAV-Tool rechnet ab etwa 20 °C Lufttemperatur mit reichlich Verdichtungszeit. Dafür dauert es länger, bis die Schicht auf unter 50 °C abgekühlt ist, sodass die Verkehrsfreigabe später erfolgt. Auf der fertigen Straße erreicht schwarzer Asphalt bei 30 °C Lufttemperatur an der Oberfläche etwa 50-60 °C und damit den Bereich des Erweichungspunkts von Straßenbaubitumen; mehr dazu im Artikel über die Fahrbahntemperatur bei Hitze.

Wann ist frischer Asphalt befahrbar? Abkühlzeit statt Trocknungszeit

Frischer Asphalt ist befahrbar, sobald die Schicht durchgehend auf unter etwa 50 °C abgekühlt ist; bei einer Deckschicht von 4-5 cm ist das je nach Wetter meist nach einigen Stunden der Fall. Von einer Trocknungszeit zu sprechen, ist streng genommen falsch: Asphalt trocknet nicht und härtet auch nicht chemisch aus wie Beton, er kühlt ab. Unter etwa 50 °C ist das Bindemittel steif genug, um Verkehr zu tragen. Als indikative Richtwerte gelten:

• Zu Fuß: meist nach 2-3 Stunden.

• Pkw-Verkehr: je nach Schichtdicke und Wetter nach einigen Stunden.

• Schwerer oder wendender Verkehr (rangierende Lkw, Gabelstapler): besser erst am nächsten Tag.

• Markierung: erst auf einer vollständig abgekühlten, sauberen Oberfläche.

Die Außentemperatur verschiebt diese Zeiten. Bei Sommerhitze und dicken Schichten dauert das Abkühlen länger, bei kühlem Wetter geht es schneller.

Heißmischgut, Warmmischgut und temperaturabgesenkter Asphalt

In den Niederlanden wie in Deutschland war Asphalt traditionell Heißmischgut: hergestellt bei etwa 150-190 °C. Das kostet viel Energie, weil die Gesteinskörnung getrocknet und erhitzt und das Bitumen auf Verarbeitungsviskosität gebracht werden muss, und diese Energie dominiert die Umweltbelastung der Produktionsphase.

Warmmischasphalt (WMA) senkt die Produktionstemperatur auf etwa 110-140 °C. Das gelingt mit Schaumbitumen (Wasser, das das Bitumen vorübergehend aufschäumen lässt und so die Benetzung verbessert), mit organischen oder chemischen Additiven, oder mit einer Kombination davon. Auftraggeber wie Rijkswaterstaat fordern in Ausschreibungen immer öfter solche niedrigeren Produktionstemperaturen, weil jedes Grad weniger direkt Energie und CO₂ im Asphaltmischwerk spart.

In Deutschland spricht man von temperaturabgesenktem Asphalt (TA-Asphalt). Nach der Definition der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wird er 20-30 °C unter den bisher üblichen Temperaturen hergestellt und verarbeitet. Die BASt nennt dafür drei Wege: viskositätsverändernde mineralische oder organische Zusätze, Schaumbitumen und oberflächenaktive Zusätze. Laut DAV lassen sich so bei der Herstellung bis zu 15 % Energie einsparen.

Niedrigtemperaturasphalt (NTA) ist also kein eigenes Produkt, sondern ein Sammelbegriff für Techniken, die demselben Ziel dienen: dieselbe Straßenleistung aus einem kühler produzierten Mischgut zu holen. Faserverstärkung verfolgt dasselbe Ziel auf einem anderen Weg: nicht das Bindemittel anpassen, sondern die Notwendigkeit des heißen PmB beseitigen.

Temperaturabgesenkter Asphalt in Deutschland: Grenzwert ab 2027

Für Walzasphalt gilt in Deutschland nach einer Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2026 ab dem 1. Januar 2027 der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von 1,5 mg/m³ für Dämpfe und Aerosole aus Bitumen bei der Heißverarbeitung (TRGS 900). Mit der Neufassung der ZTV Asphalt-StB und der TL Asphalt-StB (2026) wird temperaturabgesenkter Asphalt zur Regelbauweise; Straßen.NRW setzt TA-Asphalt bereits seit 2021 systematisch ein. Welche Zusätze (nach den Listen der BASt) und welches Schaumbitumen zulässig sind, regelt das ARS 13/2025.

Für die Außentemperatur hat das eine praktische Folge: Unter etwa 10 °C wird die Mischguttemperatur laut DAV/BG BAU-Leitfaden nur wenig (0-15 °C) abgesenkt, bei zusätzlich starkem Wind gar nicht. Die Einsparung fällt in der kalten Jahreszeit also kleiner aus (siehe die Tabelle zur Außentemperatur oben). Faserverstärkung mit Straßenbaubitumen statt PmB ist ein ergänzender Weg zu niedrigeren Temperaturen, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Der Faservorteil: 15-20 °C niedriger als PmB

Polymermodifiziertes Bitumen enthält zugesetzte Polymere (meist SBS), die das Bindemittel zäher und flexibler machen, aber auch deutlich zähflüssiger. Um PmB gut zu mischen und gleichmäßig über die Gesteinskörnung zu verteilen, sind in der Praxis schnell 180-185 °C nötig. Faserverstärkter Asphalt kombiniert ein Standard-Straßenbaubitumen (beispielsweise 70/100) mit Fasern, die die mechanische Verstärkung liefern, die sonst von den Polymeren kommen musste. Dieses Penetrationsbitumen ist von Natur aus weniger zähflüssig und damit bei niedrigerer Temperatur gut mischbar. Wie sich diese beiden Wege weiter zueinander verhalten, lesen Sie im Vergleich Aramidfasern versus PmB.

Die Fasern selbst verlangen keine hohe Temperatur: Sie werden trocken zur Gesteinskörnung gegeben, deutlich bevor das Bindemittel hinzukommt. Bei einer Aramidfaser wie AsphaltX ist das Temperaturverhalten sogar bewusst zweigeteilt: Der Polyolefinträger schmilzt bei etwa 110 °C und hilft, die Fasern im Mischgut zu verteilen, während das Twaron-Aramid mit einem Schmelzpunkt über 450 °C jede gängige Produktionstemperatur problemlos übersteht. So funktioniert die Faser als Asphaltfaser ohne Anpassung der Rezeptur: dieselbe Anlage, derselbe Mischprozess, nur eine Dosiereinheit dazu.

Die konkretesten Zahlen kommen von der A73 bei Roermond, wo im europäischen FIBRA-Projekt vier Mischungen nebeneinander produziert und eingebaut wurden:

• Referenz mit PmB (Styrelf): etwa 181 °C.

• Referenz mit Penetrationsbitumen + Zellulosefaser: etwa 160 °C.

• Polyacrylnitrilfaser (PAN, 0,15 %) + Penetrationsbitumen.

• Aramidfaser (Twaron 1080, 0,05 %) + Penetrationsbitumen: etwa 165 °C.

Der Unterschied zwischen der PmB-Referenz und den faserverstärkten Mischungen beträgt also 15-20 °C. Alle Details der Versuchsanordnung und des Monitorings stehen in der Praxis-Fallstudie A73 mit den FIBRA-Ergebnissen.

Was bringt eine niedrigere Produktionstemperatur?

Weniger Energie und CO₂. Ein Asphaltmischwerk produziert in der Regel Hunderte Tonnen pro Tag; das Erhitzen von Gesteinskörnung und Bindemittel ist der größte Energieposten. Ein struktureller Unterschied von 15-20 °C summiert sich dadurch zu einer substanziellen Einsparung an Brennstoff und zugehörigem CO₂-Ausstoß. In der FIBRA-Lebenszyklusanalyse hatte das PmB-Mischgut auf Cradle-to-Gate-Ebene eine mehr als 10 % höhere Umweltbelastung (Umweltkostenindikator MKI) als die faserverstärkten Mischungen; über den vollständigen Lebenszyklus schrumpfte dieser Unterschied auf weniger als 4 %. Dieser MKI-Gewinn wird mit der PCR Asphalt 2026 nur noch relevanter, weil die Umweltleistung dann einheitlich und verpflichtend durchgerechnet wird.

Eine bessere Arbeitsumgebung. Eine niedrigere Einbautemperatur bedeutet weniger Dämpfe und Aerosole beim Einbau, was direkt die Gesundheit der Straßenbauer betrifft, die täglich mit dem Material arbeiten. Aus den Praxistests auf der A73 ging zudem hervor, dass sich die kühleren Fasermischungen leichter von Hand einbauen ließen als das heißere PmB-Mischgut.

Ein stärkeres Nachhaltigkeitsargument. Für Projekte mit Emissionsanforderungen stapelt sich der Vorteil: Faserverstärkung bei niedrigerer Produktionstemperatur senkt den Ausstoß an der Quelle, noch bevor emissionsfreies Gerät auf der Baustelle steht. Wie diese Kombination ausfällt, lesen Sie im Artikel über emissionsfreien Asphalteinbau mit Fasern.

Geht die niedrigere Temperatur zulasten der Qualität?

Nein, sofern Bindemittel und Temperatur zueinander passen. Die FIBRA-Praxistests zeigten keinen negativen Effekt der niedrigeren Produktionstemperatur auf die Verdichtbarkeit oder die Laborproduktion der faserverstärkten Mischungen. Das ist logisch: Ein Penetrationsbitumen ist bei 160-165 °C auf seiner richtigen Verarbeitungsviskosität, genau wie PmB das bei 181 °C ist. Die Kombination aus Bindemitteltyp und Temperatur ist in sich konsistent; es wird nicht "zu kalt" produziert, es wird ein Bindemittel verwendet, das weniger Wärme braucht.

Auch auf der Straße hielt die Leistung stand: Alle vier A73-Mischungen erfüllten die niederländischen Anforderungen an Wasserableitung, Ebenheit und Abriebwiderstand mit deutlichem Abstand, und nach drei Monaten Verkehrsbelastung (etwa 50.000 Fahrzeuge pro Werktag) waren alle Abschnitte ohne sichtbare Schäden.

Temperatur als Entwurfsentscheidung in Ihrem Projekt

Wer die Temperaturkette von Asphalt kennt, kann sie auch steuern. Der größte Hebel liegt beim Asphaltmischwerk: Die Wahl zwischen PmB und einem faserverstärkten Mischgut mit Straßenbaubitumen bestimmt auf einen Schlag 15-20 °C Produktionstemperatur, mit dem zugehörigen Energie-, Emissions- und MKI-Gewinn. Bei AsphaltX geht das ohne Rezepturänderung: 500 Gramm pro Tonne Asphalt (etwa 0,05 %, abhängig von Mischgut und Anwendung), einsetzbar in ZOAB, SMA und dichtem Asphaltbeton. Wer auch im Frühjahr oder Herbst einbaut, sollte zudem die Außentemperatur mitplanen: Temperaturfenster, Transportwege und Walzkapazität entscheiden dann darüber, ob das Mischgut rechtzeitig verdichtet ist. Mehr Hintergrund zur Technik finden Sie in unserem Wissenszentrum über faserverstärkten Asphalt; möchten Sie wissen, was das für ein konkretes Bauvorhaben bedeutet, fordern Sie ein Angebot oder eine Dosierungsberatung an. Gern rechnen wir das für Ihr Projekt durch.

Häufig gestellte Fragen

Bei welcher Außentemperatur darf Asphalt eingebaut werden?
Bis zu welcher Temperatur Asphalt eingebaut werden darf, ist nicht einheitlich geregelt. Deckschichten werden in der Regel ab etwa 5 °C Luft- und Unterlagentemperatur eingebaut, dünne Schichten und offenporiger Asphalt eher bei höheren Temperaturen und nie bei Frost, dicke Tragschichten in der Praxis bis etwa -3 °C. Die Unterlage darf nie gefroren sein, und Wind und Regen verkürzen die Verdichtungszeit zusätzlich. Maßgeblich ist das Regelwerk im Bauvertrag: ZTV Asphalt-StB, RVS oder kantonale Vorgaben.
Bei welcher Temperatur wird Asphalt eingebaut?
Walzasphalt wird bei etwa 150-190 °C hergestellt, kommt mit etwa 130-160 °C hinter dem Fertiger an und wird direkt danach gewalzt. Die Verdichtung muss abgeschlossen sein, bevor dichte Mischungen auf etwa 90-100 °C abkühlen; darunter schließt das Mischgut nicht mehr. Gussasphalt wird bei etwa 200-230 °C eingebaut, höchstens bei 230 °C. Faserverstärkter Asphalt mit Straßenbaubitumen wird bei etwa 159-165 °C produziert, PmB-Mischungen um 181 °C: Das Fenster auf der Straße ist vergleichbar, der Start ist kühler.
Wie heiß ist frischer Asphalt?
Frischer Walzasphalt ist beim Einbau etwa 130-160 °C heiß, im Mischwerk sogar 150-190 °C; Gussasphalt wird mit über 200 °C verarbeitet. Es besteht also akute Verbrennungsgefahr, und auch nach dem Walzen bleibt die Schicht noch stundenlang deutlich wärmer als die Außentemperatur. Umgangssprachlich heißt das Material oft Teer, im Straßenbau wird aber seit Jahrzehnten Bitumen statt Teer verwendet.
Kann man im Winter bei Frost asphaltieren?
Deckschichten werden bei Frost grundsätzlich nicht eingebaut. Dicke Trag- und Unterbauschichten sind mit Maßnahmen bis knapp unter 0 °C (etwa -3 °C) möglich, aber nie auf einer gefrorenen Unterlage, denn der Frost hält sich im Boden länger als in der Luft. Übliche Maßnahmen sind: die Mischguttemperatur nicht absenken, thermisch isolierte Mulden einsetzen und direkt hinter dem Fertiger walzen.
Kann man bei Regen asphaltieren?
Bei leichtem Nieselregen auf einer warmen Unterlage ist das in der Regel möglich, bei starkem Regen oder einem geschlossenen Wasserfilm nicht. Regen kühlt das Mischgut zusätzlich ab, verkürzt die Verdichtungszeit und schwächt den Schichtenverbund. Der Haftkleber auf der Unterlage muss gebrochen sein, bevor eingebaut wird. Das sind Richtwerte; die genauen Grenzen legt das Regelwerk im Bauvertrag fest.
Ab wann ist frischer Asphalt befahrbar?
Sobald die Schicht durchgehend unter etwa 50 °C liegt. Bei einer Deckschicht von 4-5 cm ist das meist nach einigen Stunden der Fall; zu Fuß lässt sie sich in der Regel nach 2-3 Stunden betreten. Schwerer oder wendender Verkehr sollte besser erst am nächsten Tag darüberfahren, und im Hochsommer dauert das Abkühlen länger. Asphalt härtet nicht aus wie Beton, er kühlt ab.
Was ist temperaturabgesenkter Asphalt?
Temperaturabgesenkter Asphalt wird mindestens 20 °C kühler (BASt: 20-30 °C, laut DAV meist 30-40 °C) hergestellt und eingebaut als herkömmliches Heißmischgut, mithilfe von Schaumbitumen oder viskositätsverändernden Zusätzen. Er wird auch Warmmischasphalt oder Niedrigtemperaturasphalt genannt. In Deutschland wird er wegen des Arbeitsplatzgrenzwerts für Bitumendämpfe ab 2027 zum Regelfall. Faserverstärkung mit Straßenbaubitumen statt PmB senkt die Produktionstemperatur auf einem anderen Weg um 15-20 °C.

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