Nachhaltigkeitszertifizierung von Fasermaterialien im Bau
Wer Faserverstärkung in Ausschreibung oder Nachhaltigkeitsbericht anführt, hat mit Zertifizierung zu tun. Ein Überblick, was Sie anfordern sollten.
Wer Faserverstärkung in einer Ausschreibung oder Nachhaltigkeitsberichterstattung einsetzt, hat es mit verschiedenen Formen der Zertifizierung und Nachweisführung zu tun. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Zertifizierungen und Nachweise, die bei Einkauf und Anwendung von Fasermaterialien relevant sind.
ATG-Prüfung (Attest-mit-Produktzertifikat)
Für Stahlfasern und andere Bewehrungsfasern ist eine ATG-Prüfung (Attest-mit-Produktzertifikat) eine wichtige Qualitätssicherung. Diese Prüfung garantiert, dass die gelieferte Faser den angegebenen technischen Spezifikationen entspricht (Zugfestigkeit, Abmessungen, Verbundverhalten), was für konstruktive Anwendungen unerlässlich ist, bei denen die Leistung der Faser in eine Tragfähigkeitsberechnung einfließt.
Umwelterklärungen und die Nationale Umweltdatenbank (NMD)
Für die Umweltleistung von Baumaterialien — einschließlich faserverstärkter Beton- und Asphaltmischungen — gilt die Nationale Umweltdatenbank (NMD) als der niederländische Standard. Produkte können darin mit einer Umwelterklärung (EPD, Environmental Product Declaration) aufgenommen werden, unterteilt in Kategorien, die den Grad der unabhängigen Verifizierung angeben. Eine Umwelterklärung der Kategorie 1, basierend auf einer markenspezifischen, unabhängig verifizierten Lebenszyklusanalyse, bietet das höchste Maß an Sicherheit und ist direkt in MPG-Berechnungen (Umweltleistungskoeffizient für Gebäude) verwendbar.
Für Asphalt gilt speziell die PCR-Asphalt-Richtlinie (mit der 2026-Version als jüngster Aktualisierung) als Produktkategorieregel innerhalb dieses Systems, die festlegt, wie Umweltprofile von Asphaltmischungen — einschließlich faserverstärkter Varianten — berechnet werden müssen.
EPDs für Fasermaterialien selbst
Neben einer Umwelterklärung für das Endprodukt (die Asphalt- oder Betonmischung) ist es relevant, auch die Umweltwirkung der Faser selbst nachvollziehbar zu haben. Hersteller von Fasermaterialien werden daher ermutigt, Environmental Product Declarations zu entwickeln, die die Produktionswirkung ihrer Faser dokumentieren — ein Schritt, der wesentlich ist, um den Marktzugang neuer Fasertypen zu erleichtern.
Qualitätssicherung im Betonwerk
Neben der Produktzertifizierung der Faser selbst ist die Art und Weise, wie ein Beton- oder Asphaltwerk die Faser verarbeitet, für das Endergebnis relevant. Homogene Verteilung, korrekte Dosierung und keine Ballenbildung beim Mischen sind praktische Aspekte, die nicht in einem Produktzertifikat festgehalten werden, aber dennoch entscheidend für das Endergebnis sind — weshalb Erfahrung und Referenzprojekte der verarbeitenden Partei mindestens ebenso wichtig sind wie das Zertifikat der Faser selbst.
Normative Grundlage: fib Bulletin 105
Für faserverstärkten Beton in (semi-)konstruktiven Anwendungen bietet fib Bulletin 105 (siehe unseren ausführlichen Artikel dazu) die international anerkannte normative Grundlage, auf der Entwurfsentscheidungen basieren können — relevant für Tragwerksplaner, die die Genehmigung von Aufsichtsbehörden benötigen.
Was fordern Sie am besten bei Ihrem Lieferanten an?
• ATG-Prüfung (oder gleichwertig) für Stahlfasern in konstruktiven Anwendungen.
• EPD oder Umwelterklärung sowohl der Endmischung als auch, sofern verfügbar, der Faser selbst.
• Referenzprojekte, in denen die betreffende Faser zuvor erfolgreich vom Asphalt- oder Betonwerk verarbeitet wurde.
• Nachweisführung gemäß der geltenden PCR (für Asphalt) bei Umweltleistungsaussagen.
Fazit
Die Nachhaltigkeitszertifizierung von Fasermaterialien besteht aus einer Kombination von Produktzertifizierung (wie der ATG-Prüfung), Umwelterklärungen innerhalb der NMD und normativer Grundlage wie fib Bulletin 105. Für eine gut fundierte Entscheidung ist es ratsam, all diese Aspekte bei Ihrem Lieferanten anzufragen, statt sich auf ein einziges Gütesiegel zu verlassen.