Was bedeuten EN 14889 und CE-Kennzeichnung für Faserbeton?
Faserklassen, Konformitätssysteme und CE-Kennzeichnung: EN 14889 klar erläutert — samt Rahmen für konstruktive Faserbewehrung in den Niederlanden.
Wer Fasern als Bewehrung in Beton einsetzt, kommt zwangsläufig mit der Norm EN 14889 in Berührung. Diese harmonisierte europäische Norm besteht aus zwei Teilen: EN 14889-1 für Stahlfasern und EN 14889-2 für Polymerfasern (Kunststofffasern). Beide legen die Definitionen, Spezifikationen und Konformitätsanforderungen für Fasern fest, die in Beton, Mörtel und Grout verwendet werden. Seit dem 1. Januar 2007 ist die CE-Kennzeichnung gemäß diesen Normen für Fasern, die auf dem europäischen Markt verkauft werden, verpflichtend.
Mikro- und Makrofasern: Klasse I und Klasse II
EN 14889-2 unterteilt Polymerfasern nach ihrer physischen Form und ihrem Durchmesser. Klasse I betrifft Mikrofasern mit einem Durchmesser kleiner als 0,30 mm, mit den Unterklassen Ia (Monofilament) und Ib (fibrilliert). Klasse II betrifft Makrofasern mit einem Durchmesser größer als 0,30 mm.
Die Unterscheidung ist mehr als eine Formalität. Mikrofasern beherrschen vor allem plastische Schwindrisse im jungen Beton, liefern aber keine konstruktive Restfestigkeit. Makrofasern tun dies sehr wohl: Sie werden dort eingesetzt, wo nach Rissbildung eine Restfestigkeit (residual flexural strength) erforderlich ist, und können damit eine konstruktive Funktion erfüllen. Wer Faserbewehrung als Ersatz für traditionellen Bewehrungsstahl in Betracht zieht, benötigt also Makrofasern oder Stahlfasern, keine Mikrofasern.
Zwei Konformitätssysteme
Die Norm kennt zwei Attestierungssysteme, abhängig von der Anwendung. Für konstruktive Nutzung gilt System 1, das strengste Regime: eine notifizierte Stelle (notified body) führt Typprüfungen durch und entnimmt Proben am Produktionsstandort. Für allgemeine, nicht-konstruktive Anwendungen gilt das leichtere System 3, mit einfachen Prüfungen und Dokumentation ohne Zertifizierung der Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle.
Die Einhaltung der Norm begründet eine Eignungsvermutung (presumption of fitness) für die auf der CE-Kennzeichnung angegebenen Anwendungen. Für konstruktive Faserbewehrung ist System 1 daher das Signal, auf das Sie achten sollten.
CUR-Empfehlung 111 als niederländischer Prüfrahmen
Neben der europäischen CE-Kennzeichnung verwenden die Niederlande für Stahlfaserbeton einen eigenen Prüfrahmen: CUR-Aanbeveling 111, „Staalvezelbeton-bedrijfsvloeren op palen: dimensionering en uitvoering“ (Stahlfaserbeton-Industrieböden auf Pfählen: Bemessung und Ausführung), in der überarbeiteten Ausgabe von März 2019. Die Empfehlung erweitert die gängigen Bemessungsmethoden für konstruktiven Beton um Bemessungsmethoden für Stahlfaserbeton und dient als Rahmen für Tragwerksplaner und die Bauaufsicht (Bouw- en Woningtoezicht).
Für konstruktive Böden auf Pfählen wird dabei ein Fasergehalt in der Größenordnung von rund 35 kg/m³ als Minimum angesetzt; die exakte Bemessung ergibt sich stets aus der Berechnung gemäß der Empfehlung. Zum Vergleich: Stahlfaserdosierungen für Industrieböden liegen üblicherweise zwischen 20 und 40 kg/m³, während konstruktive Kunststoff-Makrofasern mit einigen Kilogramm pro Kubikmeter auskommen. Den richtigen Wert bestimmen Sie gemeinsam mit Ihrem Tragwerksplaner.