Betonfasern im Vergleich: Stahl, Kunststoff, Glas und Basalt

Stahl, Kunststoff, Glas oder Basalt — jeder Fasertyp hat ein eigenes Profil bei Zugfestigkeit, Dosierung, Korrosion und Preis. Dieser Überblick vergleicht alle vier und hilft bei der Wahl.
Betonfasern sind kurze Fasern aus Stahl, Kunststoff (Polypropylen), Glas oder Basalt, die beim Mischen homogen im Beton verteilt werden und nach der Rissbildung die Zugkraft überbrücken. Stahlfasern dosieren Sie indikativ mit 25–50 kg/m³, Kunststoff-Makrofasern mit 2–6 kg/m³ und Mikrofasern mit 0,6–1,0 kg/m³ — jeder Typ hat ein eigenes Festigkeits-, Korrosions- und Preisprofil.
Was sind Betonfasern und was bewirken sie?
Faserbeton — auch faserbewehrter Beton — ist der Sammelbegriff für Beton, dem beim Mischen lose Fasern zugesetzt werden. Wo traditionelle Bewehrung Zugkräfte an wenigen geplanten Positionen aufnimmt, verteilen sich Fasern als Zehntausende kleiner Bewehrungselemente über die gesamte Betonmasse. Sobald irgendwo ein Riss entsteht, überbrücken die Fasern, die den Riss kreuzen, die Bruchfläche, und der Beton trägt weiter Kraft: die sogenannte Resttragfähigkeit. Diese Resttragfähigkeit wird in Europa mit dem Biegeversuch nach EN 14651 gemessen; die Fasern selbst tragen die CE-Kennzeichnung nach EN 14889-1 (Stahlfasern) oder EN 14889-2 (Polymerfasern).
Über alle Materialien hinweg gibt es eine Zweiteilung, die wichtiger ist als das Material selbst. Mikrofasern (dünn, fast immer Kunststoff) wirken in den ersten Stunden nach dem Betonieren und verhindern plastische Schwindrisse. Makrofasern (dicker und steifer, aus Stahl, Kunststoff oder Basalt) wirken im erhärteten Beton und liefern die konstruktive Resttragfähigkeit. Dieser Artikel ist der Überblick über die vier Materialgruppen; die vollständige Reihe vertiefender Artikel finden Sie in der Themenübersicht Faserbeton.
Stahlfasern: maximale Resttragfähigkeit für hochbelastete Bauteile
Stahlfaserbeton entsteht durch die Zugabe von etwa 0,3 bis 1 Volumenprozent Stahlfasern — in der Praxis meist 25 bis 50 kg pro m³. Stahlfasern sind steif und stark: High-Tensile-Stahlfasern aus gezogenem Draht erreichen Zugfestigkeiten von 1.345 bis 2.100 N/mm² und verankern sich dank Endhaken mechanisch in der Betonmatrix. Dadurch tragen sie schon bei kleinen Rissbreiten erheblich bei und können in vielen Anwendungen die traditionelle Bewehrung ganz oder teilweise ersetzen. Bauteile aus Stahlfaserbeton haben zudem stärkere Ecken und Kanten, einen höheren Verschleißwiderstand und platzen bei Anprall — etwa durch Gabelstapler — weniger ab.
Der Schwachpunkt von Stahl ist die Korrosion: Fasern nahe der Oberfläche können Rostpünktchen verursachen. Statisch ist das selten ein Problem — eine einzelne Faser ist kein durchgehender Stab —, für Sichtflächen zählt es jedoch. Typische Anwendungen sind Industrieböden, Montagehallen, Fundamentplatten und Straßensanierungen. Eine High-Tensile-Stahlfaser mit Endhaken wie die MPZG HT+ 35/0.55 ist der gängige Ausgangspunkt; was die Dosierung kostet und bringt, lesen Sie in Stahlfaserbeton: Preis, Dosierung und Anwendungen.
Kunststofffasern: von der Mikrofaser bis zur konstruktiven Makrofaser
Bei Kunststofffasern für Beton ist Polypropylen (PP) das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Material. Die Familie zerfällt in zwei Produkte mit völlig unterschiedlichen Aufgaben.
Polypropylen-Mikrofasern
Polypropylenfasern in Mikro-Ausführung sind dünn, meist 10 bis 20 mm lang, und werden in relativ geringen Dosierungen zugesetzt: 0,5 bis 1,8 kg pro m³, in der Praxis oft 0,6–1,0 kg/m³. Sie bilden ein feinmaschiges Netzwerk, das den Frischbeton zusammenhält, solange er noch kaum Zugfestigkeit besitzt, und sind damit vor allem gegen frühe (plastische) Schwindrisse wirksam. Der Effekt hängt stark von Durchmesser, Länge, Oberflächenstruktur und Form ab: einfaches Monofilament oder netzförmig fibrilliert — Letzteres etwa für Zementestriche.
Kunststoff-Makrofasern
Makrofasern aus Kunststoff sind dicker und steifer und liefern, wie Stahl, Resttragfähigkeit im erhärteten Beton. Die Dosierungen liegen in der Regel zwischen 2 und 6 kg pro m³; die Zugfestigkeit hochwertiger PP-Makrofasern liegt indikativ bei 480–560 MPa. Kunststoff ist vollständig korrosionsfrei und leicht (Dichte ~0,91 g/cm³), was Transport und Umweltbilanz entlastet: In Umweltkosten-Vergleichen (MKI) schnitt die Kunststofffaser bei einer Fertigteil-Innenwand 93 % und bei einer Betontreppe 79 % besser ab als traditionelle Bewehrung. Eine konstruktive Kunststoff-Makrofaser wie TwistR — eine hybride Makrofaser mit gedrehter Struktur für zusätzliche Verankerung — wird in Böden, Fundamenten und Befestigungen eingesetzt. Wann Kunststoff die logische Wahl ist, lesen Sie in Kunststofffaserbeton: Wann ist er die richtige Wahl?
Glasfaserbeton
Glasfaserbeton verwendet beschichtete Mikro-Glasfasern, die dem Beton eine deutlich höhere Spaltzugfestigkeit verleihen als unbewehrtem Beton. Wichtig: In der basischen Betonmatrix hält nur alkaliresistentes (AR-)Glas mit zirkoniumhaltiger Beschichtung dauerhaft stand; Standard-E-Glas degradiert. Glasfaser ist nicht korrosiv und interessant, wo hohe Zugfestigkeit bei dünnen Bauteilen gefragt ist — etwa bei Fertigteil-Fassadenplatten und Sichtbeton. Vor Ort gegossener Glasfaserbeton befindet sich in den Niederlanden noch in der Entwicklung und wird derzeit hauptsächlich in Flächenbefestigungen eingesetzt; für gängige Boden- und Infrastrukturprojekte bleiben Stahl-, Kunststoff- und Basaltfasern die breitere Wahl.
Basaltfaser: mineralisch, leicht und hitzebeständig
Die neueste Ergänzung der Palette: die Basaltfaser, gewonnen aus geschmolzenem Vulkangestein. Basaltfaser kombiniert eine sehr hohe Zugfestigkeit (3.000–4.000 MPa) mit geringer Dichte (~2,7 g/cm³, fast dreimal leichter als Stahl), Hitzebeständigkeit bis ~700 °C und guter Recycelbarkeit. Basalt ist nicht korrosiv; allerdings ist es — anders als mitunter behauptet — nicht vollständig alkalibeständig, und die Schlichte/Beschichtung der Faser bestimmt die Dauerhaftigkeit in der basischen Betonmatrix. Wählen Sie deshalb eine Faser, die speziell für Beton entwickelt wurde.
Für konstruktive Anwendungen gibt es eine gewellte Basaltfaser für konstruktive Anwendungen: Das 3D-Wellenprofil der Basalt Wave sorgt für die mechanische Verankerung, die geraden Mineralfasern fehlt. Anwendungen liegen unter anderem bei Industrieböden, Unterwasserbeton, Spritzbeton und Tunnelkonstruktionen — genau die Umgebungen, in denen Korrosionsfreiheit und Hitzebeständigkeit den Unterschied machen.
Betonfasern im Vergleich: die vier Typen nebeneinander
Die Kerneigenschaften je Fasertyp im Überblick (indikativ, Preisstand 2026, abhängig von Produkt und Projekt):
• Stahlfaser — Zugfestigkeit 1.345–2.100 N/mm²; Dichte 7,85 g/cm³; Dosierung 25–50 kg/m³; korrosionsempfindlich an der Oberfläche; Mehrpreis bei 25–30 kg/m³ bis etwa 45 € pro m³ Beton; Anwendung: hochbelastete Industrieböden, Fundamente, Straßensanierungen.
• Kunststoff-Makrofaser (PP) — Zugfestigkeit ~480–560 MPa; Dichte 0,91 g/cm³; Dosierung 2–6 kg/m³; vollständig korrosionsfrei; Mehrpreis pro m³ bei leichten bis mittelschweren Anwendungen meist niedriger als Stahl; Anwendung: Böden, Befestigungen, Fundamente, Landwirtschaft.
• PP-Mikrofaser — wirkt nur gegen plastische Schwindrisse (keine konstruktive Resttragfähigkeit); Dosierung 0,6–1,0 kg/m³; korrosionsfrei; Mehrpreis wenige Euro pro m³; Anwendung: Estriche, Transportbeton, Oberflächenqualität.
• Glasfaser (AR) — hohe Spaltzugfestigkeit; Dichte ~2,6 g/cm³; korrosionsfrei, sofern alkaliresistente Beschichtung; Anwendung: Fertigteilplatten und Flächenbefestigungen (Ortbeton noch in Entwicklung).
• Basaltfaser — Zugfestigkeit 3.000–4.000 MPa; Dichte ~2,7 g/cm³; hitzebeständig bis ~700 °C; korrosionsfrei, Dauerhaftigkeit abhängig von der Beschichtung; Anwendung: Industrieböden, Tunnel, Spritzbeton, Unterwasserbeton.
Achten Sie beim Vergleich nicht nur auf die Zugfestigkeit der Faser selbst: Die Leistung im Beton wird durch die Kombination aus Zugfestigkeit, Verankerung (Endhaken, Wellen- oder Drehprofil), Steifigkeit und Dosierung bestimmt. Eine Faser mit geringerer Zugfestigkeit, aber besserer Verankerung kann im EN-14651-Versuch besser abschneiden.
Hybride Faserlösungen: Typen kombinieren
In der Praxis werden Fasertypen auch kombiniert. Eine häufig eingesetzte Kombination ist Makrofaser plus Mikrofaser: Die Makrofaser (Stahl oder Kunststoff) liefert die Resttragfähigkeit im erhärteten Beton, die Mikrofaser deckt die plastische Schwindphase in den ersten Stunden ab. Auch Stahlfasern zusammen mit Kunststofffasern kommen bei schweren, dynamisch belasteten Bauteilen vor: die Festigkeit von Stahl für mechanische Belastung, ergänzt durch die Schwindrissbeherrschung von Kunststoff. Daneben gibt es hybride Makrofasern, bei denen ein Produkt mehrere Wirkprinzipien vereint. Rechnen Sie bei hybriden Lösungen die Dosierung je Komponente getrennt durch — die praktischen Dosierungsrichtlinien für Betonfasern liefern dafür die Bandbreiten je Fasertyp.
Welcher Fasertyp passt zu Ihrem Projekt?
Es gibt keine „beste“ Betonfaser im allgemeinen Sinne — die richtige Wahl folgt aus Belastung, Umgebung und Budget. Als Faustregel:
• Schwer und dynamisch belastet (hohe Punktlasten, Gabelstapler, Regallager) — Stahlfaser.
• Korrosionsgefährdete oder chemisch belastete Umgebung (Landwirtschaft, Keller, Küste) — Kunststoff-Makrofaser oder Basaltfaser.
• Nur Schwindrissbeherrschung in der Frischphase — PP-Mikrofaser, gegebenenfalls neben einer Makrofaser.
• Hitze, Tunnel oder Unterwasserarbeiten — Basaltfaser.
• Dünne Fertigteile mit hoher Zugfestigkeitsanforderung — AR-Glasfaser.
Die Abwägung zwischen den beiden größten Kandidaten behandeln wir separat in Stahlfasern versus Kunststoff-Makrofasern — dieser Artikel vergleicht beide bei Leistung, Preis und Umweltkosten und wiederholt diesen Überblick nicht. Schwanken Sie zwischen Lieferanten oder Spezifikationen, lesen Sie auch Worauf Sie bei der Wahl eines Lieferanten für Faserbewehrung achten.
Ein wichtiger Vorbehalt: Fasern ersetzen traditionelle Bewehrung nicht immer vollständig. Bei konstruktiven Bauteilen gehört eine Berechnung durch den Tragwerksplaner dazu, der anhand der EN-14651-Restfestigkeitsklassen bestimmt, welcher Teil der Bewehrung entfällt. Möchten Sie schnell eine Richtung? Der Produktberater übersetzt Ihre Anwendung in wenigen Schritten in einen Fasertyp, und das vollständige Betonfaser-Sortiment zeigt je Produkt die Spezifikationen und Datenblätter.
Häufig gestellte Fragen
- Was sind Betonfasern?
- Betonfasern sind kurze Fasern aus Stahl, Kunststoff (Polypropylen), Glas oder Basalt, die beim Mischen im Beton verteilt werden. Nach der Rissbildung überbrücken sie den Riss, und der Beton trägt weiter Kraft (Resttragfähigkeit). Mikrofasern verhindern frühe Schwindrisse; Makrofasern liefern konstruktive Festigkeit und können traditionelle Bewehrung ganz oder teilweise ersetzen. Fasern tragen die CE-Kennzeichnung nach EN 14889.
- Basaltfaser oder Stahlfaser — was wähle ich?
- Stahlfaser ist der Standard bei schwerer mechanischer und dynamischer Belastung: hohe Steifigkeit, bewährte Bemessungsregeln und Zugfestigkeiten bis 2.100 N/mm². Basaltfaser (3.000–4.000 MPa, ~2,7 g/cm³) gewinnt, wo Korrosionsfreiheit, geringes Gewicht oder Hitzebeständigkeit bis ~700 °C schwer wiegen — etwa bei Tunneln, Spritzbeton und Unterwasserbeton. Eine gewellte Basaltfaser verankert sich dabei mechanisch in der Matrix.
- Ersetzen Betonfasern traditionelle Bewehrung vollständig?
- Nicht immer. In Bodenplatten auf Sandbett, Fundamentplatten und vielen Befestigungen können Makrofasern die Bewehrungsmatten vollständig ersetzen. Bei konstruktiven Bauteilen mit hohen oder konzentrierten Zugkräften bleibt (teilweise) Stabbewehrung nötig. Der Tragwerksplaner bestimmt das mit einer Berechnung auf Basis der Restfestigkeitsklassen aus dem EN-14651-Biegeversuch — fragen Sie deshalb immer nach Faserspezifikationen mit geprüften Leistungswerten.
- Wie viele Betonfasern kommen auf einen m³ Beton?
- Indikativ: Stahlfasern 25–50 kg/m³, Kunststoff-Makrofasern 2–6 kg/m³ und PP-Mikrofasern 0,6–1,0 kg/m³ gemäß Produktdatenblatt. Die exakte Dosierung folgt bei konstruktiven Anwendungen aus der geforderten Resttragfähigkeit, der Faserspezifikation und der Verarbeitbarkeit des Gemischs; siehe die praktischen Dosierungsrichtlinien je Fasertyp und Anwendung.
- Was ist der Unterschied zwischen Mikrofasern und Makrofasern?
- Mikrofasern sind dünn, leicht und wirken im Frischbeton: Sie verhindern plastische Schwindrisse in den ersten Stunden nach dem Betonieren, liefern aber keine konstruktive Festigkeit. Makrofasern sind dicker und steifer und wirken im erhärteten Beton: Sie überbrücken Risse unter Belastung und liefern Resttragfähigkeit. Für viele Projekte ist die Kombination beider — oder eine hybride Makrofaser — die vollständige Lösung.
Genannte Produkte
MeistgewähltTwistR® GREEN HYBRID
Hochwertige Kunststoff-Makrofasern aus 100% Polypropylen. Verwandelt Beton in einen stärkeren Verbundwerkstoff.
- TypHybrid: gedrehtes Monofilament + fibrillierende Netzwerkfaser
- Material100% Neu-Polypropylen
- Länge48 mm
- Dosierung2,0 – 6,0 kg/m³
Palettenpreis auf Anfrage

MPZG HT+ 35/0.55
High-Tensile-Stahlfasern mit Endhaken, Schlankheitsgrad 35/0.55. Maximale Verankerung und Duktilität für hochbelastete Konstruktionen.
- TypGezogene Stahlfaser mit Haken (verklebt)
- Abmessung35 mm / Ø 0,55 mm
- Zugfestigkeit1345 N/mm² ± 7,5%
- E-Modul200.000 N/mm²
Palettenpreis auf Anfrage

Basalt Wave
Gewellte Basaltfaser für hervorragende Haftung in der Betonmatrix. Hohe Temperaturbeständigkeit für anspruchsvolle konstruktive Anwendungen.
- TypBasalt-Makrofaser (gewelltes 3D-Profil)
- Länge50 mm
- DurchmesserØ 1,2 mm
- Strang-Tex2000 tex