Dosierung von Betonfasern: praktische Richtlinien je Fasertyp

Faserbewehrter Beton15. Juli 20268 Min. LesezeitPortretfoto van Niels HilverinkVerfasst von Niels Hilverink

Zu wenige Fasern und die Wirkung bleibt aus, zu viele und die Verarbeitbarkeit leidet. Dosierungsrichtlinien je Fasertyp und Anwendung, plus die Rechenschritte von der Restfestigkeitsanforderung zu Kilo pro m³.

Die Dosierung von Betonfasern hängt von Fasertyp und Anwendung ab: Stahlfasern in der Regel 25–50 kg/m³, Kunststoff-Makrofasern 2–6 kg/m³ und Polypropylen-Mikrofasern 0,6–1,0 kg/m³. Für konstruktive Anwendungen wird die Dosierung aus der geforderten Restfestigkeit nach EN 14651 berechnet; für die Schwindrissbeherrschung genügt meist eine Standarddosierung des Herstellers.

Was bestimmt die richtige Dosierung?

Die richtige Dosierung ist entscheidend für das Ergebnis von faserbewehrtem Beton: Zu wenige Fasern und die gewünschte Wirkung bleibt aus, zu viele und die Verarbeitbarkeit ist gefährdet. Vier Faktoren steuern die Wahl:

• Fasertyp — Stahl, Kunststoff (Makro oder Mikro) oder Basalt haben jeweils eine andere Dichte und Wirkung und damit eine andere gängige Dosierung. Eine Übersicht über die Unterschiede finden Sie in unserem Artikel über die Betonfaser-Arten im Vergleich.

• Faserparameter — Länge, Durchmesser, Form und Verbundverhalten. Vor allem das Verhältnis von Länge zu Durchmesser (das l/d-Verhältnis oder die Schlankheit) bestimmt die Leistung pro Kilo mit.

• Anwendung und angestrebte Wirkung — konstruktive Festigkeit, Schwindrissbeherrschung oder Brandschutz verlangen jeweils eine andere Dosierung. Wie Fasern diese Kräfte genau aufnehmen, lesen Sie in wie Faserbewehrung in Beton funktioniert.

• Mischungszusammensetzung — eine passende Anpassung der Betonrezeptur (vor allem im Feinkornbereich) ist nötig für eine optimale Umhüllung und Verbundwirkung der Fasern.

Dosierungsrichtlinien je Fasertyp

Die folgenden Richtwerte sind gängige Bandbreiten aus der Praxis. Die exakte Dosierung folgt bei konstruktiven Bauteilen immer aus einer Berechnung — eine Faustregel ersetzt keinen Tragwerksplaner.

Stahlfasern: 25–50 kg/m³

Für Stahlfaserbeton gilt eine gängige Dosierung von etwa 25 bis 50 kg/m³, was ungefähr 0,3 bis 0,65 Volumenprozent der Betonmischung entspricht. Für höher belastete Anwendungen sind höhere Dosierungen möglich. Für Wände werden beispielsweise oft Stahlfasern mit einer Länge von 40 bis 60 mm und einem Durchmesser von 0,6 bis 0,9 mm eingesetzt — kaltgezogene, verzinkte Stahldrahtfasern mit Endhaken für zusätzliche Verankerung.

Hochzugfeste Stahlfasern mit Endhaken wie die MPZG HT+ 35/0.55 mit einer Stahlfaserdosierung von 10–35 kg/m³ erreichen dank ihrer hohen Zugfestigkeit dieselbe Leistungsklasse oft schon bei einer niedrigeren Dosierung als Standardfasern — das spart Kilos, Mischzeit und Geld.

Achten Sie bei der Bestellung auch auf die Lieferform: verklebte Stahlfasern hängen mit einem wasserlöslichen Kleber in kleinen Kämmen zusammen. Sie lassen sich als kompakte Pakete dosieren, lösen sich beim Mischen und verteilen sich dadurch gleichmäßiger als lose Fasern — vor allem bei Fasern mit hohem l/d-Verhältnis ein wirksames Mittel gegen Igelbildung.

Kunststoff-Makrofasern: 2–6 kg/m³

Konstruktive Kunststofffasern wie die TwistR-Makrofaser mit einer Dosierung von 2–6 kg/m³ können traditionelle Bewehrung ganz oder teilweise ersetzen. Da Polypropylen gut achtmal leichter ist als Stahl, ergeben schon wenige Kilo pro m³ eine enorme Anzahl an Fasern. Die exakte Dosierung variiert je nach Produkt und Anwendung und wird auf Basis des vorgesehenen Bewehrungsplans festgelegt; die Leistung je Dosierung ist in der CE-Dokumentation nach EN 14889-2 festgehalten.

Mikrofasern: 0,6–1,0 kg/m³

Polypropylen-Mikrofasern werden in viel größerer Anzahl, aber mit deutlich geringerem Gesamtgewicht eingesetzt: in der Regel zwischen 500 und 2.500 Gramm pro m³, je nach Produkt und Ziel. Die Fasern sind sehr dünn und etwa 10 bis 20 mm lang und wirken vor allem gegen plastische Schwindrisse in den ersten Stunden nach dem Gießen — dank der enormen Faseranzahl, die pro m³ eingebracht wird.

Es gibt zwei Ausführungen. Eine Monofilament-Mikrofaser besteht aus losen, glatten Filamenten; Promicro dosieren Sie schon mit 0,6–1,0 kg/m³, und sie verbessert zugleich die Oberflächenqualität. Eine fibrillierte Mikrofaser wie Profib (0,9–1,0 kg/m³) hat eine Netzstruktur, die sich in der Mischung öffnet und mechanisch verankert — stark in Zementestrichen.

Basaltfasern

Basaltfasern (geschnitten oder als gewellte Makrofaser) liegen mit ihrer Dosierung zwischen Mikro- und Makro-Kunststofffasern, abhängig von Ausführung und Ziel. Sie kombinieren eine hohe Zugfestigkeit mit Hitzebeständigkeit bis etwa 700 °C, was sie für Anwendungen mit erhöhten Temperaturanforderungen interessant macht. Ziehen Sie für Basalt immer die produktspezifischen Dosierempfehlungen heran.

Richtwerte je Anwendung

Indikative Ausgangswerte je Anwendung — die endgültige Dosierung folgt aus der Berechnung:

• Gewerbeboden (flügelgeglättet, auf Sandbett) — Stahlfaser 25–35 kg/m³ oder Makrofaser 3–5 kg/m³, abhängig von Punktlasten und Feldgröße.

• Fundamentplatte / schwer belasteter Boden — Stahlfaser 30–50 kg/m³; statische Berechnung verpflichtend.

• Estrich (Zementestrich) — fibrillierte Mikrofaser 0,9–1,0 kg/m³ gegen Schwindrisse; keine konstruktive Funktion.

• Fertigteile — Makrofaser etwa 3 kg/m³ oder Stahlfaser nach Berechnung; Fasern ersetzen hier oft (einen Teil der) Matten und sparen Handling im Werk.

• Stützwand / Wand — Stahlfasern von 40–60 mm Länge, meist in Kombination mit Randbewehrung; die Dosierung folgt aus der Berechnung des Tragwerksplaners.

Wie die Dosierung anschließend in der Praxis eingebracht wird — Bigbags, Dosieranlage, Mischzeit — lesen Sie im kompletten Leitfaden zum Gießen von faserbewehrtem Beton.

Schlankheit der Stahlfaser: das l/d-Verhältnis erklärt

Die Schlankheit einer Stahlfaser ist die Länge geteilt durch den Durchmesser. Rechenbeispiel: Eine Faser von 35 mm Länge und 0,55 mm Dicke hat ein l/d-Verhältnis von 35 ÷ 0,55 ≈ 64; eine Faser von 60 mm mal 0,75 mm kommt auf 80.

Je höher das l/d-Verhältnis, desto mehr Verankerungslänge und desto besser in der Regel die Leistung pro Kilo Faser — eine höhere Schlankheit kann also eine niedrigere Dosierung ermöglichen. Die Kehrseite: Lange, dünne Fasern lassen sich schwerer mischen und sind anfälliger für Igelbildung. Verklebte Fasern und ein angepasstes Mischregime fangen das auf. In der Praxis wählen Sie also nicht „das höchste l/d“, sondern die Kombination aus Schlankheit und Dosierung, die die geforderte Leistungsklasse bei einer verarbeitbaren Mischung erreicht.

So berechnen Sie Stahlfaserbeton: von der Anforderung zur Dosierung

Wer Stahlfaserbeton oder faserbewehrten Beton berechnen will, durchläuft in der Praxis vier Schritte:

• Schritt 1: Anforderungen festlegen — der Tragwerksplaner bestimmt auf Basis von Belastung, Untergrund und Feldeinteilung, welche Restfestigkeit (Nachriss-Biegezugfestigkeit) der Beton liefern muss.

• Schritt 2: Leistungsklasse wählen — diese Restfestigkeit wird im Biegezugversuch nach EN 14651 ausgedrückt, bei dem die residuale Festigkeit bei verschiedenen Rissbreiten gemessen wird.

• Schritt 3: Dosierung ablesen — der Faserhersteller übersetzt die geforderte Klasse mit Leistungsdiagrammen und Dosierungssoftware in Kilo pro m³ für die spezifische Faser. Dieselbe Anforderung kann bei einer hochzugfesten Faser mit hoher Schlankheit also eine niedrigere Dosierung ergeben als bei einer Standardfaser.

• Schritt 4: Verarbeitbarkeit prüfen — Kontrolle, ob die Dosierung zu Konsistenz, Kornaufbau und dem Mischprozess des Betonwerks passt, gegebenenfalls mit einer Probemischung.

Für eine nicht konstruktive Schwindbewehrungs-Berechnung ist dieser Weg nicht nötig: Dort genügt eine Standarddosierung Mikrofasern oder eine leichte Makrofaserdosierung nach Produktdatenblatt. Möchten Sie vorab eine Indikation? Berechnen Sie die benötigten Kilo pro m³ mit unserem Rechner — und für die Kostenseite je Dosierung lesen Sie Stahlfaserbeton: Preis, Dosierung und Anwendungen.

Warum zu viele Fasern ein Problem sind

Eine höhere Dosierung bedeutet nicht automatisch ein besseres Ergebnis. Bei einer zu hohen Dosierung können Probleme entstehen wie eine Verstopfung der Dosieranlage im Betonwerk, eine verringerte Verarbeitbarkeit des Frischbetons und ein erhöhtes Risiko der Igelbildung von Fasern während des Mischens — was gerade Schwachstellen im Beton verursacht statt Verstärkung.

Neben der richtigen Menge ist eine homogene Verteilung mindestens ebenso wichtig. Eine gute Faser sackt nicht ab, schwimmt nicht auf und bildet beim Mischen keine Igel; das wird sowohl vom Mischprozess im Betonwerk als auch von der Qualität der Faser selbst bestimmt. Zweifeln Sie an der Verteilung, lassen Sie einen Auswaschversuch an einer Frischbetonprobe durchführen — damit lässt sich der tatsächliche Fasergehalt pro m³ kontrollieren.

Was kostet Faserbewehrung pro kg?

Der Kilopreis sagt ohne die Dosierung wenig aus: Stahlfasern sind pro Kilo günstiger als Kunststofffasern, aber Sie brauchen davon 25–50 kg/m³ gegenüber 2–6 kg/m³ Makrofasern oder weniger als 1 kg/m³ Mikrofasern. Indikativ (Preisniveau 2026, abhängig von Projekt und Stahlpreis) liegt der Mehrpreis von Stahlfaserbeton bei einer Dosierung von 25–30 kg/m³ zwischen wenigen Euro und etwa 45 € pro m³ zusätzlich zum Betonpreis. Vergleichen Sie Angebote deshalb immer über den Preis pro m³ bei gleicher Leistungsklasse, nicht über den Kilopreis der Faser.

Vom Richtwert zur endgültigen Rezeptur

Nutzen Sie die Bandbreiten aus diesem Artikel als Ausgangspunkt: Bestimmen Sie zuerst das Ziel (konstruktiv oder Schwindbeherrschung), wählen Sie den Fasertyp und prüfen Sie die Dosierung an der Anwendung. Bei konstruktiven Bauteilen gehört immer eine Berechnung durch den Tragwerksplaner dazu; Fasern ersetzen traditionelle Bewehrung nicht in jeder Situation vollständig.

Eine erste Indikation von Mengen und Kosten ermitteln Sie selbst mit dem Rechner. Möchten Sie eine maßgeschneiderte Dosierung für Ihr Projekt, fordern Sie ein Angebot mit Dosierberatung an — wir rechnen mit, von der Restfestigkeitsanforderung bis zur Mischempfehlung für das Betonwerk.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kg Stahlfasern kommen in einen m³ Beton?
Gängig sind 25 bis 50 kg Stahlfasern pro m³ Beton, etwa 0,3 bis 0,65 Volumenprozent. Leicht belastete Böden liegen am unteren Ende dieser Bandbreite, schwer belastete Fundamentplatten am oberen. Hochzugfeste Fasern mit hoher Schlankheit, wie die MPZG HT+ 35/0.55, erreichen dieselbe Leistungsklasse oft bei einer niedrigeren Dosierung.
Wann ist eine Schwindbewehrung nötig?
Eine Schwindbewehrung ist nötig, sobald ein Betonboden oder eine Wand frei schwinden können muss, ohne unkontrolliert zu reißen: bei großen ungeteilten Feldern, dünnen Böden, Estrichen und schnell trocknenden Bedingungen. Gegen plastisches Schwinden (erste Stunden) genügt eine Mikrofaser mit 0,6–1,0 kg/m³; für das Trocknungsschwinden auf längere Sicht berechnet der Tragwerksplaner eine Schwindbewehrung oder Makrofaserdosierung auf Basis von Feldgröße und Dicke.
Kann ich Stahlfaserbeton selbst berechnen?
Eine Indikation ja: Mit dem Rechner ermitteln Sie die benötigten Kilo pro m³ und die zugehörigen Kosten. Die endgültige konstruktive Berechnung — von der Restfestigkeitsanforderung über den EN-14651-Biegezugversuch zur Dosierung — ist Aufgabe eines Tragwerksplaners zusammen mit dem Faserhersteller, der dafür Leistungsdiagramme und Dosierungssoftware je Fasertyp nutzt.
Was ist der Unterschied zwischen Monofilament- und fibrillierten Mikrofasern?
Eine Monofilament-Mikrofaser besteht aus losen, glatten Filamenten, die sich sehr fein in der Mischung verteilen und auch die Oberflächenqualität verbessern; Dosierung etwa 0,6–1,0 kg/m³. Eine fibrillierte Mikrofaser hat eine Netzstruktur, die sich beim Mischen öffnet und mechanisch verankert — dadurch besonders wirksam in Zementestrichen, bei etwa 0,9–1,0 kg/m³. Beide bestehen aus Polypropylen und wirken gegen plastische Schwindrisse.
Warum werden Stahlfasern verklebt geliefert?
Verklebte Stahlfasern hängen mit einem wasserlöslichen Kleber in kleinen Kämmen zusammen. Diese Pakete lassen sich leicht dosieren, lösen sich während des Mischens und verteilen sich dadurch gleichmäßiger im Frischbeton als lose Fasern. Vor allem bei Fasern mit hohem l/d-Verhältnis (lang und dünn) verringert das das Risiko der Igelbildung erheblich.

Genannte Produkte

TwistR® GREEN HYBRID — BetonfasernMeistgewählt
KunststoffKonstruktiv

TwistR® GREEN HYBRID

Hochwertige Kunststoff-Makrofasern aus 100% Polypropylen. Verwandelt Beton in einen stärkeren Verbundwerkstoff.

  • TypHybrid: gedrehtes Monofilament + fibrillierende Netzwerkfaser
  • Material100% Neu-Polypropylen
  • Länge48 mm
  • Dosierung2,0 – 6,0 kg/m³
€ 7,43/ kgMehr Informationen

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MPZG HT+ 35/0.55 — Betonfasern
StahlKonstruktiv

MPZG HT+ 35/0.55

High-Tensile-Stahlfasern mit Endhaken, Schlankheitsgrad 35/0.55. Maximale Verankerung und Duktilität für hochbelastete Konstruktionen.

  • TypGezogene Stahlfaser mit Haken (verklebt)
  • Abmessung35 mm / Ø 0,55 mm
  • Zugfestigkeit1345 N/mm² ± 7,5%
  • E-Modul200.000 N/mm²
€ 1,42/ kgMehr Informationen

Palettenpreis auf Anfrage

Promicro — Betonfasern
SchwindfaserSchwindfaser

Promicro

Synthetische PP-Monofilament-Mikrofaser gegen plastische Schwindrisse. Homogene Verteilung und bessere Oberflächenqualität bei niedriger Dosierung.

  • TypPolypropylen-Monofilament (runder Querschnitt)
  • Länge12 mm
  • Äquivalenter Durchmesser32 µm
  • Lineare Dichte6,5 dpf
€ 4,34/ kgMehr Informationen

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