Kunststofffaserbeton: Wann ist er die richtige Wahl?

Kunststofffaser-Bewehrung gibt es in zwei Varianten: Mikrofasern gegen plastisches Schwinden (0,6–1,0 kg/m³) und konstruktive Makrofasern (2–6 kg/m³). So wählen Sie den richtigen Typ für Boden, Estrich oder Befestigung.
Kunststofffaser-Bewehrung ist Betonbewehrung aus Polypropylen- oder Polyolefinfasern, die in das Gemisch eingemischt werden. Es gibt zwei Haupttypen: Mikrofasern (0,6–1,0 kg/m³) gegen plastische Schwindrisse und Makrofasern (2–6 kg/m³) als konstruktive Alternative zu Bewehrungsstahl. Kunststofffasern rosten nicht und sind direkt pumpbar.
Was ist Kunststofffaser-Bewehrung?
Kunststofffaserbeton ist Beton, dem beim Mischen Kunststofffasern zugesetzt werden — meist Polypropylen (PP) oder Polyolefin. Die Fasern verteilen sich homogen im Gemisch und wirken an jeder Stelle des Querschnitts, während eine Bewehrungsmatte nur auf der Höhe wirkt, auf der sie liegt. Die Norm EN 14889-2 teilt Kunststofffasern für Beton in zwei Klassen ein: Klasse I für Mikrofasern und Klasse II für konstruktive Makrofasern.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn die beiden Typen leisten grundlegend Verschiedenes. Eine Mikrofaser von 12 mm Länge und 32 µm Durchmesser beherrscht das plastische Schwinden in den ersten Stunden nach dem Betonieren, liefert aber keinen konstruktiven Beitrag. Eine Makrofaser von 48 mm Länge und 0,7 mm Durchmesser überbrückt tatsächliche Risse und nimmt nach der Rissbildung Zugkraft auf — und kann damit in vielen Böden und Befestigungen die Bewehrungsmatte ersetzen. Wer „Kunststofffasern für Beton“ bestellt, ohne diese Unterscheidung zu treffen, riskiert einen Boden mit dem falschen Fasertyp.
Beide Typen teilen eine Eigenschaft, die sie von Stahl unterscheidet: Sie sind nicht korrosiv. Keine Rostflecken auf Sichtböden, keine angegriffene Bewehrung bei Feuchtebelastung und keine Betondeckungsanforderung aus Korrosionsgründen. Mehr Hintergrund zur Wirkung von Fasern im Beton finden Sie in unserer Themenübersicht zu Faserbeton.
Mikrofasern: Schwindfasern für die ersten 24 Stunden
Frisch betonierter Beton verliert Feuchtigkeit an die Umgebung, während er noch kaum Zugfestigkeit besitzt. Die Folge sind plastische Schwindrisse: feine, oft unregelmäßige Risse, die in den ersten Stunden entstehen — vor allem bei Wind, Sonne und großen ebenen Flächen. Mikrofasern — auch Schwindfasern genannt — bilden in dieser Phase ein feinmaschiges Netzwerk aus Millionen Fasern pro Kubikmeter, das die frühen Zugspannungen auffängt. Wie dieser Mechanismus genau funktioniert, lesen Sie in Plastische Schwindrisse verhindern.
Es gibt zwei Formen von Mikrofasern:
• Monofilament-Mikrofaser — einzelne, glatte Fasern mit rundem Querschnitt (wie Promicro: 12 mm lang, 32 µm dick, Faserklasse 1a nach EN 14889-2). Sie verteilen sich sehr fein im Gemisch und sind am wirksamsten gegen feine Schwindrisse; zudem verbessern sie die Oberflächenqualität.
• Fibrillierte Polypropylenfaser — Bandfasern mit Netzstruktur (wie Profib, 6 und 12 mm). Das Netzwerk haftet stärker am Zementstein und bewährt sich daher in mageren Mischungen wie Zementestrichen.
Die Dosierung ist bei beiden gering: 0,6–1,0 kg pro m³. Bei einem Estrich von 60 m² und 6 cm Dicke sprechen Sie also über höchstens 3 bis 4 kg Fasern — ein kleiner Eingriff, der das Risiko von Schwindrissen am kritischen ersten Tag stark verringert. Wichtig zu wissen: Eine PP-Mikrofaser gegen plastisches Schwinden ersetzt keine konstruktive Bewehrung. Wer das erwartet, braucht eine Makrofaser.
Makrofasern: konstruktive Kunststofffasern
Konstruktive Kunststoff-Makrofasern (EN 14889-2 Klasse II) sind ein anderes Kaliber: dickere Fasern von etwa 48 mm, die nach der Rissbildung weiter Kraft übertragen — vergleichbar mit der Rolle einer Bewehrungsmatte in einer Bodenplatte auf Sandbett. Sie werden mit 2–6 kg/m³ dosiert, abhängig von Belastung, Plattendicke und Untergrund.
In unserem Programm sind das zwei Fasern mit jeweils eigenem Profil:
• TwistR® — eine hybride Polypropylen-Makrofaser mit gedrehter Struktur aus 100 % neuem PP. Die verdrehte Form verankert sich mechanisch in der Betonmatrix. TwistR wird viel in industriellen Böden, Radwegen und Hofbefestigungen eingesetzt, mit bis zu 98 % CO₂-Reduktion gegenüber Stahlbewehrung (CE-gekennzeichnet, mit EPD).
• Wiking 4050 TR — eine Polyolefin-Makrofaser für raue Böden: 48 mm lang, 700 µm dick, Zugfestigkeit 557 MPa. Beständig gegen Säuren wie Laugen und damit bestens geeignet für landwirtschaftliche Böden, Gewächshausböden und andere raue, chemisch belastete Anwendungen.
In der Praxis liefert eine Makrofaser wie TwistR bei Böden und Befestigungen einen doppelten Vorteil: Das Flechten und Verlegen von Matten entfällt (Zeitgewinn von oft einem halben Arbeitstag pro Betonage), und die Fasern wirken über die volle Plattendicke. Auf der NDSM-Werft in Amsterdam und auf mehreren Radwegen der Provinzen ist das inzwischen der Standardansatz.
Dosierungsrichtwerte je Fasertyp
Die richtige Dosierung hängt von Anwendung und Mischung ab, aber diese Richtwerte gelten als Ausgangspunkt:
• Monofilament-Mikrofaser (Schwindbeherrschung) — 0,6–1,0 kg/m³
• Fibrillierte PP-Faser (Schwindbeherrschung, Estriche) — 0,9–1,0 kg/m³
• Kunststoff-Makrofaser, leicht belasteter Boden oder Befestigung — 2–3 kg/m³
• Kunststoff-Makrofaser, Industrieboden oder höhere Belastung — 4–6 kg/m³
Zum Vergleich: Stahlfasern werden für vergleichbare konstruktive Anwendungen mit 25–50 kg/m³ dosiert. Der Unterschied liegt im spezifischen Gewicht — Kunststoff wiegt 0,91 g/cm³, Stahl über 7,8 —, wodurch 3 kg Kunststofffasern nach Faseranzahl und Verteilung ein Vielfaches an Stahlfasern darstellen. Möchten Sie die benötigte Menge für Ihr Projekt durchrechnen, nutzen Sie den Faserrechner.
Wann ist Kunststofffaser die richtige Wahl?
Kunststofffaser-Bewehrung ist die logische Wahl, wenn einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen:
• Korrosion ist ein Risiko — Außenböden, Wasserbau, feuchte Ställe oder Sichtböden, bei denen Rostpünktchen von Stahlfasern an der Oberfläche inakzeptabel sind.
• Schwindrissbeherrschung steht im Vordergrund — Estriche, Terrassen und große ebene Flächen; hier genügt oft eine Mikrofaser. Für Außenanwendungen wie Terrassen kommt der Frost-Tau-Vorteil hinzu, siehe Kunststofffasern für Terrassenböden.
• Chemische Belastung — Gülle-Säuren und Reinigungsmittel in landwirtschaftlichen Anwendungen greifen Polyolefinfasern nicht an.
• Pumpbarkeit — bei Dosierungen bis etwa 6 kg/m³ bleibt das Gemisch gut pumpbar; ideal, wo der Beton mit einer Pumpe eingebracht wird.
• Leichtes und sicheres Arbeiten — keine schweren Matten heben oder stellen, keine Schnittkanten; relevant von kleinen Umbauböden bis zu großen Betonagen ohne Kran.
• Magnetisch neutral — für Böden mit Induktionsschleifen oder empfindlichen Geräten ist nichtmagnetische Bewehrung eine harte Anforderung, die Kunststoff von selbst erfüllt.
Kunststofffasern im Estrich
Die größte alltägliche Anwendung von Kunststofffasern ist nicht der spektakuläre Industrieboden, sondern der gewöhnliche Estrich. Zementestriche werden mager angemacht und trocknen über eine große Fläche: genau die Bedingungen, unter denen plastische Schwindrisse entstehen. Fasern für den Estrich sind deshalb fast immer Mikrofasern; die fibrillierte Variante hat hier den Vorzug, weil das Netzwerk im mageren Mörtel besser haftet.
Die Dosierung liegt bei 0,9–1,0 kg pro m³ Mörtel. Für ein durchschnittliches Wohngeschoss von 50 m² bei 6 cm Estrichdicke sind das etwa 3 m³ Mörtel und damit rund 3 kg Fasern — rund zehn Euro Materialkosten (indikativ, Preisstand 2026) gegenüber dem Aufstemmen und Sanieren eines gerissenen Estrichs. Wie Sie den Estrich weiter aufbauen und fertigstellen, steht in unserem Artikel über den Zementestrich.
Achtung: Ein schwimmender Estrich, der auf Dämmung liegt und stärker belastet wird (etwa Fußbodenheizung mit Naturstein), kann eine Makrofaser oder zusätzliche Bewehrung erfordern. Sind Sie unsicher, welcher Typ zu Ihrem Bodenaufbau passt, durchlaufen Sie den Produktberater — er empfiehlt auf Basis von Anwendung, Dicke und Belastung.
Und was ist mit Stahlfasern?
Für schwer mechanisch belastete Böden — denken Sie an Montagehallen mit intensivem Gabelstaplerverkehr oder hohe Punktlasten von Regalen — bietet Stahlfaser pro Kilo mehr konstruktiven Wert, dank des viel höheren Elastizitätsmoduls und der höheren Zugfestigkeit von Stahl. Kunststoff-Makrofasern gewinnen bei Korrosionsbeständigkeit, Gewicht, Verarbeitungskomfort und CO₂-Fußabdruck. Die vollständige Abwägung, inklusive Kosten pro m² und Normleistungen nach EN 14651, finden Sie in Stahlfasern vs. Kunststoff-Makrofasern.
Ein Vorbehalt gilt für jeden Fasertyp: Fasern ersetzen traditionelle Bewehrung nicht immer vollständig. Bei selbsttragenden oder statisch berechneten Bauteilen (Balken, Wände, hochbelastete Fundamente) bleibt eine Berechnung durch den Tragwerksplaner notwendig — er bestimmt, ob Fasern die Bewehrung ersetzen, ergänzen oder kombinieren.
So wählen Sie den richtigen Fasertyp
Die Wahl lässt sich in drei Fragen zusammenfassen. Erstens: Soll die Faser nur das Schwinden beherrschen oder auch nach der Rissbildung Kraft aufnehmen? Schwinden → Mikrofaser; Kraft → Makrofaser. Zweitens: Wie rau oder chemisch belastet ist die Anwendung? Landwirtschaft und saures Milieu → Polyolefin (Wiking 4050 TR); Industrieböden und Befestigungen → TwistR. Drittens: Geht es um einen Estrich? Dann ist eine fibrillierte oder Monofilament-Mikrofaser mit 0,6–1,0 kg/m³ fast immer die Antwort.
Sehen Sie sich die vollständige Übersicht der Kunststoff- und Stahlfasern für Beton mit Spezifikationen und Datenblättern an, oder fordern Sie ein Angebot mit Ihrer Bodenfläche und Anwendung an — wir rechnen die Dosierung und die Anzahl der Kartons für Sie aus.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Mikrofasern und Makrofasern?
- Mikrofasern (etwa 12 mm, Dosierung 0,6–1,0 kg/m³) beherrschen plastische Schwindrisse in den ersten Stunden nach dem Betonieren, liefern aber keinen konstruktiven Beitrag. Makrofasern (etwa 48 mm, 2–6 kg/m³) sind Fasern der Klasse II nach EN 14889-2, die nach der Rissbildung Zugkraft aufnehmen und damit in Böden und Befestigungen eine Bewehrungsmatte ersetzen können.
- Wie viel Kunststofffaser kommt in einen m³ Beton?
- Für die Schwindbeherrschung genügen 0,6–1,0 kg Mikrofasern pro m³. Konstruktive Kunststoff-Makrofasern werden mit 2–6 kg/m³ dosiert: 2–3 kg für leicht belastete Böden und Befestigungen, 4–6 kg für Industrieböden mit höherer Belastung. Die exakte Dosierung hängt von Plattendicke, Untergrund und Belastung ab; rechnen Sie Ihr Projekt mit dem Rechner durch.
- Ersetzen Kunststofffasern die Bewehrungsmatte vollständig?
- In vielen Bodenplatten auf Sandbett, Befestigungen und Fertigteilen ja: Eine konstruktive Makrofaser in der richtigen Dosierung übernimmt dort die Rolle der Matte. Bei selbsttragenden oder statisch berechneten Bauteilen bleibt eine Berechnung durch den Tragwerksplaner nötig — er bestimmt, ob Fasern die traditionelle Bewehrung ersetzen oder ergänzen.
- Sind Kunststofffasern für einen Estrich geeignet?
- Ja, das ist sogar die häufigste Anwendung. Für einen Zementestrich verwenden Sie eine fibrillierte oder Monofilament-PP-Mikrofaser mit 0,6–1,0 kg pro m³ Mörtel. Die Fasern verhindern plastische Schwindrisse während des Trocknens; bei schwer belasteten schwimmenden Estrichen kann eine Makrofaser erforderlich sein.
- Was kostet Kunststofffaser-Bewehrung?
- Indikativ (Preisstand 2026, abhängig von Projekt und Abnahmemenge): Mikrofasern kosten etwa 2,80–3,20 € pro kg — bei 1 kg/m³ also rund 3 € pro Kubikmeter Beton. Konstruktive Makrofasern liegen bei etwa 7,40–7,90 € pro kg, also rund 15–47 € pro m³ je nach Dosierung. Dem steht gegenüber, dass Flechten, Matten und Verlegezeit vollständig entfallen.
- Rosten Kunststofffasern im Beton?
- Nein. Polypropylen und Polyolefin sind nicht korrosiv und im Betonmilieu vollständig alkalibeständig. Es entstehen also keine Rostflecken an der Oberfläche, und es gilt keine Betondeckungsanforderung aus Korrosionsgründen — ein wichtiger Vorteil gegenüber Stahlfasern bei Sichtböden, Außenböden, Wasserbau und feuchten landwirtschaftlichen Umgebungen.
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Hochwertige Polyolefin-Makrofaser, besonders geeignet für raue Böden — eine starke und kosteneffiziente Alternative zur Stahlbewehrung.
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- Zugfestigkeit557 MPa
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Synthetische PP-Monofilament-Mikrofaser gegen plastische Schwindrisse. Homogene Verteilung und bessere Oberflächenqualität bei niedriger Dosierung.
- TypPolypropylen-Monofilament (runder Querschnitt)
- Länge12 mm
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