Klimaneutral und zirkulär bis 2030: die Rolle der Fasern
Rijkswaterstaat will 2030 klimaneutral und zirkulär arbeiten, mit 50% weniger Primärrohstoffen. Faserverstärkung berührt beide Spuren zugleich.
Rijkswaterstaat hat eine klare Ambition: bis 2030 vollständig klimaneutral und zirkulär bauen, verwalten und instand halten, mit 50% weniger Einsatz von Primärrohstoffen. Diese Zielsetzung wird auf zwei Wegen umgesetzt: durch Lebensdauerverlängerung mit Werterhalt des bestehenden Bestands und durch die Entwicklung neuer klimaneutraler und zirkulärer Materialien. Faserverstärkung von Asphalt und Beton berührt beide Spuren zugleich. In diesem Artikel zeigen wir, wie.
Zwei Wege zum selben Ziel
Rijkswaterstaat arbeitet im Rahmen des Programms Klimaatneutraal en Circulair entlang vier Spuren: Technik, Governance, Vertragsgestaltung und Finanzierung. Für die Baustelle und Baulogistik von Bau-, Verwaltungs- und Instandhaltungsprojekten wird eine 100%ige CO₂-Reduktion und eine 80%ige NOx-Reduktion angestrebt, unter anderem durch den Umstieg von fossil auf nicht fossil angetriebenes Gerät.
Für faserverstärkte Mischungen ist vor allem die erste Spur — Lebensdauerverlängerung — relevant. Je länger eine Fahrbahn oder Betonkonstruktion ohne Instandhaltung hält, desto seltener werden neue Primärrohstoffe benötigt. Genau darin liegt der Wert der Faserverstärkung.
Lebensdauerverlängerung: der Kern der Business Case
Untersuchungen zu faserbewehrtem Asphalt (das europäische FIBRA-Projekt, durchgeführt unter anderem mit Rijkswaterstaat und BAM) zeigten, dass Hersteller kommerzieller Fasern eine Lebensdauerverlängerung der Fahrbahn von mindestens 50% beanspruchen, mit einer Verlängerung der Lebensdauer der Asphaltschicht selbst um bis zu 200%, je nach Fasertyp und Anwendung. Weniger Instandhaltung bedeutet weniger Fräsarbeiten, weniger Transport von neuem Material und weniger Verkehrsbehinderung — allesamt Faktoren, die sich direkt auf den CO₂-Fußabdruck eines Projekts auswirken.
Dieselbe Logik gilt für Faserbeton. Durch die Begrenzung der Rissbildung und die Erhöhung der Biegezugfestigkeit bleibt eine Konstruktion länger intakt, ohne dass Stahl rostet oder Beton ersetzt werden muss.
Weniger Primärrohstoffe durch Fasern statt PMB
Ein zweiter Weg führt über die Materialwahl. Traditionell wird Asphalt mit polymermodifiziertem Bitumen (PMB) oder mit Bewehrungsmatten verstärkt. PMB lässt sich jedoch schwerer recyceln als Standard-Penetrationsbitumen, und Bewehrungsmatten erfordern einen separaten Arbeitsgang mit zusätzlichem Material- und Maschineneinsatz. Aramidfasern, die Standard-Penetrationsbitumen zugesetzt werden, bieten eine Alternative: Der Asphalt wird stärker, bleibt gut recycelbar, und es ist keine separate Schicht oder kein separater Arbeitsgang nötig.
Auch beim Energieverbrauch ist ein Vorteil zu erzielen. Faserverstärkte Mischungen mit Penetrationsbitumen können bei einer niedrigeren Temperatur produziert werden als Mischungen mit PMB — in Praxistests auf der A73 rund 20 °C niedriger. Eine niedrigere Produktionstemperatur bedeutet weniger Energieverbrauch im Asphaltmischwerk und weniger Ausstoß von Stoffen, die für die Gesundheit der Mitarbeiter beim Einbau schädlich sind.
Rechenbeispiel aus der Praxis: CO₂-Einsparung durch Faserbewehrung
Bei einem kürzlich durchgeführten Projekt — dem Fundament für Baum- und Blumenkübel — wurde die traditionelle Stahlbewehrung durch Faserbewehrung ersetzt. Das Ergebnis: netto 1.500 kg Bewehrungsstahl eingespart, was einer CO₂-Reduktion von 98% gegenüber der ursprünglichen Stahllösung entspricht. Der gesamte Entwurf konnte innerhalb von zwei Tagen auf Faserbewehrung umgerechnet werden, einschließlich der Zustimmung der Gemeinde.
Solche Rechenbeispiele sind genau das, was Auftraggeber benötigen, um Faserbewehrung in ihre eigene CO₂-Leistungsleiter und Ausschreibungskriterien einzubeziehen. Während Stahl einen relativ hohen Produktions-Fußabdruck hat (Gewinnung, Schmelzen, Transport), ist die Produktion von Kunststofffasern pro Kilogramm gelieferter Bewehrungskapazität deutlich weniger belastend.
Emissionsfreier Einbau: die Kombination herstellen
Faserverstärkung wird noch wirkungsvoller in Kombination mit emissionsfreiem Gerät auf der Baustelle. Bei einem kürzlich durchgeführten Projekt für eine temporäre Baustraße wurde eine Unter- und Zwischenschicht Asphalt mit Aramidfaserbewehrung emissionsfrei eingebaut — ein konkreter Schritt in Richtung der RWS-Ambition für klimaneutrale Baulogistik. Die Kombination aus einer längeren Lebensdauer (weniger zukünftiges Gerät nötig) und emissionsfreiem Einbau (weniger Ausstoß jetzt) verstärkt sich gegenseitig.
Was bedeutet das für Ihr Projekt?
Für Gemeinden, Provinzen und Bauunternehmen, die auf die RWS-Zielsetzung für 2030 hinarbeiten, ist Faserverstärkung eines der am direktesten verfügbaren Instrumente:
• Kein Warten auf neue Technologie: Faserverstärkung ist bereits jetzt mit bestehender Produktions- und Verarbeitungsausrüstung einsetzbar.
• Messbarer CO₂-Gewinn: sowohl durch Materialeinsparung (weniger Stahl, weniger PMB) als auch durch niedrigere Produktionstemperaturen.
• Anschluss an bestehende Normen: Die Ergebnisse lassen sich gut im Rahmen der CO₂-Leistungsleiter und der neuen PCR Asphalt 2026 für Umweltleistungsberechnungen begründen.
Fazit
Die RWS-Ambition, bis 2030 klimaneutral und zirkulär mit 50% weniger Primärrohstoffen zu arbeiten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Faserverstärkung von Asphalt und Beton bietet einen konkreten, direkt umsetzbaren Beitrag: längere Lebensdauer, weniger Stahl und PMB, niedrigere Produktionstemperaturen und messbare CO₂-Reduktion je Projekt.
• Dutch Fiber Trading, Projektfallstudien (dftrading.eu/projecten)